Griechenland schafft Primärüberschuss

23. April 2014, 17:09
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Rechnet man Bankenhilfen und Zinszahlungen weg, hat der griechische Staat im Vorjahr positiv bilanziert

Brüssel - Griechenland hat 2013 einen deutlichen Primärüberschuss erzielt und aus Brüsseler Sicht einen "beachtlichen Fortschritt" auf dem Weg aus der Schuldenfalle gemacht. Das Plus vor Abzug des Schuldendienstes habe bei 1,5 Milliarden Euro und damit 0,8 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) gelegen, teilte ein Sprecher der EU-Kommission am Mittwoch mit.

Die Neuverschuldung der Währungsunion ging insgesamt leicht zurück, während der Gesamtschuldenstand etwas zulegte. Das Ergebnis Griechenlands liege "weit über dem Ziel", das Athen mit seinen internationalen Gläubigern vereinbart habe, sagte der Kommissionssprecher Simon O'Connor. Die Verbesserung spiegle einen "beachtlichen Fortschritt bei der Haushaltssanierung seit 2010 wider". Allerdings bleibt unter dem Strich nur ein Plus, wenn die Zinszahlungen für den gewaltigen Schuldenberg ausgeklammert werden.

Deutlicher Anstieg

Unter Berücksichtigung des Schuldendienstes stieg das griechische Defizit 2013 gegenüber dem Vorjahr sogar deutlich um 3,8 Punkte auf 12,7 Prozent an, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch mitteilte. Und der Gesamtschuldenstand, in den auch die Notkredite der Europartner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) von insgesamt 240 Milliarden Euro einfließen, kletterte auf 175,1 Prozent des BIP - 18,1 Punkte mehr als 2012.

Die EU-Kommission gab sich dennoch zuversichtlich: Die griechische Schuld sei "tragfähig" und die Schuldenquote werde wie vereinbart "beständig und deutlich" sinken, sagte O'Connor. Die griechische Regierung rechnet für 2014 nach Jahren der Rezession auch mit einem Wachstum. Vor dem Hintergrund nahm das Land Anfang April erstmals wieder Geld am freien Markt auf. Für Anleihen im Volumen von drei Milliarden Euro verlangten die Investoren weniger als fünf Prozent Zinsen. Die internationalen Geldgeber werteten dies als ermutigend.

Für die gesamte Eurozone zeichnete Eurostat ein ambivalentes Bild: Zwar ging das Gesamtdefizit von 3,7 auf 3,0 Prozent leicht zurück. Auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise 2010 lag es noch bei 6,2 Prozent. Die Gesamtverschuldung der 18 Euro-Länder stieg allerdings auf 92,6 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) an. Das waren knapp zwei Punkte mehr als 2012 und gut sieben Punkte mehr als drei Jahre zuvor. (APA, 23.4.2014)

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