Lehrer kommen ohne "kreative" Mitbringsel

23. April 2014, 18:16
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Gewerkschafter warnen vor "Gipfel" bei Unterrichtsministerin vor noch höheren Belastungen

Wien - Die "Machtspielchen" zwischen Bund und Ländern - Stichwort "Verländerung" - sind Eckehard Quin "relativ gleichgültig". Als Chef der AHS-Lehrergewerkschaft gehe es ihm vor allem um "akzeptable Arbeitsbedingungen" - für Lehrer und Schüler. Darum interessiert den Vertreter der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) die Frage nach den konkreten Kürzungen im Schulbudget mehr als die Verländerungsdebatte, sagte er im STANDARD-Gespräch.

Es bleibt nur ein "Dritteljahr" zum Sparen

Quin stellt die pädagogische Dimension der Sparvorgabe, die Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) erfüllen muss, mit in Rechnung: "57 Millionen spart man ja nicht ein, indem man ein paar Bleistiftspitzer weniger kauft." Er warnt vor noch viel größeren Belastungen als den 2014 geforderten 57 Millionen: "Jede Maßnahme im Schulbereich bringt im Budget 2014 ja nur ein Drittel des Betrags, denn rückwirkend kann in den Schulen ja nicht gekürzt werden. Konkrete Sparmaßnahmen können also erst im Herbst nach den Ferien realisiert werden." Es bleiben daher nur vier Monate des Jahres, um im Schulbereich den Brocken zu holen.

Dazu kämen noch jene 30 Millionen, die Heinisch-Hosek erfolglos von den Ländern als Nachzahlung für die Lehrer fordert, die sie über den Bundesstellenplan hinaus anstellen: "Ich habe noch nie erlebt, dass der Bund gewinnt", kommentiert Quin das aktuelle Bund-Länder-Match.

Eine andere Hoffnung zerstreut der AHS-Gewerkschaftsvorsitzende übrigens auch noch: "Die Ministerin sollte nicht erwarten, dass wir als Pädagogen und Lehrervertreter große Einsparungen im Bildungsbereich vorschlagen."

Für Gewerkschafter ist "keine Einsparung akzeptabel"

Auch für Quins sozialdemokratischen Kollegen von den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), Vizevorsitzenden Heinrich Himmer (FSG), ist klar, "dass wir als Lehrergewerkschafter keine 'kreativen' Einsparungsvorschläge bringen können", sagte er zum STANDARD: "Im Bildungsbereich ist für uns keine Einsparung akzeptabel."

Just in der neunten Schulstufe wieder größere Klassen einzuführen, wie ursprünglich geplant, wäre für Himmer jedenfalls die denkbar schlechteste Idee gewesen. Vor allem in den Städten, wo es weniger Lehrstellen gebe, sei der Bedarf an mittleren Schulen größer - auch weil viele Schüler mit "Migrationshintergrund" oder aus Familien mit wenig Nähe zur akademischen Bildung mit sehr unterschiedlichen Einstiegsvoraussetzungen dort die Chance hätten, "zu einem Abschluss zu kommen". Da sei gerade im ersten Jahr besondere Unterstützung nötig, "damit diese Schüler nicht nur ein Jahr schaffen, sondern drei oder vier Jahre", betont Himmer.

Bedrohtes "Sprungbrett" für Schüler

Diese Erfahrung macht auch Elisabeth Schwarz, die an der Handelsakademie Baden unterrichtet: "Gerade die BMHS sind für Schüler aus 'bildungsfernen' Familien ein schönes Sprungbrett oder die Chance, zu einem guten Job zu kommen, weil sie sich ein Studium nicht leisten können." Wenn diese Schüler am Anfang in zu großen Klassen alleingelassen werden, "dann verlieren sie die Lust" - und brechen oft ab. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 24.4.2014)

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