Invasion der weißen Bälle

23. April 2014, 17:37
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Der kroatische Künstler Slaven Tolj beschäftigt sich mit der Politik der Stadt Dubrovnik und ihres öffentlichen Raums: "To My Three Z - Citius. Altius. Fortius " heißt seine Ausstellung in der Galerie Michaela Stock

Wien - Er wird auch als der Künstler Dubrovniks bezeichnet. Seit den 1990er-Jahren setzt sich der 1964 ebenda geborene Slaven Tolj mit der kroatischen Stadt auseinander. Und dazu gehörte die Belagerung während des Kroatienkriegs (1991-1995) genauso wie die sozialen und politischen Veränderungen, die der Zerfall Jugoslawiens mit sich brachte.

Seine aktuelle Präsentation in der Galerie Michaela Stock basiert auf einem Anlassfall, der den sehr engagierten Künstler einmal mehr aktiv werden ließ: Srd je nas! ist der Slogan der von Slaven Tolj ins Leben gerufenen Bürgerinitiative, die sich gegen die Errichtung eines Golfplatzes im Stadtteil Srd wehrt.

So viel zur Vorgeschichte, die auch in seiner Wiener Schau die Präsenz von Golfbällen auf einer Reihe von Fotografien erklärt: Eigentlich ist die 2012 entstandene Serie Citius. Altius. Fortius (aus dem Lateinischen übersetzt: "Schneller. Höher. Stärker") im Rahmen einer Ausstellung im Zagreber Art and Crafts Museum entstanden, wo Slaven Tolj einen eher ungewöhnlichen Golfkurs ausgelegt hat.

Auf den Fotografien sind einzelne historische (Heiligen-)Figuren aus dem Museum zu sehen, - darunter etwa eine frühbarocke Madonna mit Kind -, denen der Künstler mit je einem Golfball eine etwas andere Gabe zur Hand gegeben hat.

Für Slaven Tolj ist der Kampf gegen den Golfplatz ein Kampf für die Stadt und gegen die Privatisierung des öffentlichen Raums. Die lokalen Politiker sehen das freilich anders: "It is important to protect the Dubrovnik area. I believe that is exactly what we will do with the golf course and the public will be satisfied", wird der ehemalige Bürgermeister von Dubrovnik auf einem der Bilder zitiert.

Slaven Tolj hat jeder Figur ein Zitat zur Seite gestellt, mit denen man den Bürgern die Notwendigkeit eines Golfplatzes zu erklären versucht: "A free man who has nothing is not a free man. Without possession there is no freedom." So lautet noch einer der gewitzteren Versuche, während es der amtierende Bürgermeister so formuliert: "Who has the flag has the power. It has been so since the beginning of time."

So einfach kann das eben sein. Diese Philosophie wird auch vom kurzen Video Game of Thrones ganz hervorragend kommentiert: In einer Szene der TV-Serie, die in Dubrovnik gedreht wurde, war Tolj, der auch als Performancekünstler bekannt ist, Statist. Der Ausschnitt zeigt eine Verhandlung, in der das bevorstehende Köpferollen auch nicht sehr lange diskutiert wurde. (Christa Benzer, DER STANDARD, 24.4.2014)

Bis 10. 5.

Galerie Michaela Stock

Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien

  • Golfball statt Zepter: neues Insigne einer Stadt? Slaven Tolj kämpft in Dubrovnik gegen die Pläne für einen Golfplatz. 
    foto: galerie michaela stock

    Golfball statt Zepter: neues Insigne einer Stadt? Slaven Tolj kämpft in Dubrovnik gegen die Pläne für einen Golfplatz. 

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