Public-Value-Bericht: ORF durchleuchtet eigenes Programm

23. April 2014, 11:35
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Redaktionen thematisieren Medienqualität - Public-Value-Beauftragter Unterberger: "Ein Prozess, den wir versuchen in die Wege zu leiten"

Wien - Seit sechs Jahren hat er Tradition: Der Public-Value-Bericht des ORF stellt, unterfüttert mit umfangreichen Zahlen- und Faktenmaterial, den gesellschaftlichen Wert des Programms in Fernsehen, Radio und Online dar. Heuer passiert dies mittels vier Printpublikationen. Zudem durchleuchtet der ORF sein Programm auf multimedialem Weg: Bis 4. Mai gibt es etliche Beiträge in allen ORF-Medien zum Thema.

"Wir verstehen den Public-Value-Bericht nicht als unverbindliche Übung, sondern als integrierten Teil einer neuen Qualitätssicherung", erklärte Klaus Unterberger, Public-Value-Beauftragter des ORF. In den vergangenen sechs Jahren habe man das eigene Angebot auf Basis der fünf Qualitätsdimensionen Unternehmenswert, individueller Wert, internationaler Wert, Österreichwert und Gesellschaftswert durchleuchtet, zusätzlich gibt es immer wieder Gesprächsreihen und Diskussionen, die sich mit der öffentlich-rechtlichen Leistungserfüllung auseinandersetzen.

Trimedialer Blick auf eigenen Output

Neu ist nun der trimediale Blick auf den eigenen Output: "Die Redaktionen beschäftigen sich mit Medienqualität, wobei dies grundsätzlich eigenverantwortlich geschieht", erläuterte Unterberger. Von Fernsehen über Radio bis Online gibt es in den kommenden Wochen Beiträge zu unterschiedlichsten Aspekten, etwa der Wertschöpfung durch Filmproduktionen, der Barrierefreiheit in Medien oder der Rolle von Bildungsmedien.

Die ORF-Journalisten schauen dabei "selbstreflexiv und selbstkritisch auf die eigene Performance", so Unterberger. "Das ist ein Prozess, den wir hier versuchen in die Wege zu leiten." Der Public-Value-Beauftragte kann sich vorstellen, diesen Blick auf das eigene Schaffen immer wieder ins Programm zu integrieren. "Das ist ein echter Schritt nach vorne und ich bin sehr stolz, dass uns das gelungen ist."

Weiterhin zentraler Bestandteil der Qualitätssicherung ist aber natürlich der Public-Value-Bericht selbst: Ein 16-seitiger, großformatiger Report umreißt die wesentlichsten Eckpunkte, während eine eigene, 34 Seiten starke Datenpublikation 140.160 Stunden Programm den fünf Qualitätsdimensionen zufolge kategorisiert. Die ORF-Mitarbeiter selbst kommen wiederum unter dem Titel "Menschen" zu Wort: Von Hanno Settele, der sich der Politikvermittlung widmet, über Kabarettist Florian Scheuba, der sich mit der Finanzierung des ORF auseinandersetzt, bis zu Andrea Bogad-Radatz, die die (europäische) Vielfalt im Film- und Serienangebot thematisiert.

Texte von Experten

Der größte Umfang wird wiederum den "Texten" gewidmet: 31 wissenschaftliche Texte von Experten aus ganz Europa über öffentlich-rechtlichen Rundfunk und sich verändernde Medienlandschaften wurden hier zusammengeführt. Bei diesem "europäischen Horizont" findet sich laut Unterberger auch Kritisches. "Es ist uns ein Anliegen, diesen wissenschaftlichen Diskurs auf europäischer Ebene zu führen." Schließlich müsse man sich gerade angesichts internationaler Konkurrenz wie Google fragen, "wie wir uns behaupten: Können wir Schritt halten oder sind wir nur mehr Konsumenten von globalen Medienmärkten?"

Im Anschluss an die Präsentation des Public-Value-Berichts am Mittwochvormittag wird vor diesem Hintergrund auch zu einem Dialogforum im Radiokulturhaus geladen. In zwei Panels werden dabei "öffentlich-rechtliche Medien auf den Prüfstand" gestellt und mögliche Veränderungen in den kommenden Monaten und Jahren angerissen. "Wir setzen auf einen entwicklungsoffenen und zukunftsorientierten Mediendiskurs", stellte Unterberger klar. "Und das thematisieren wir Jahr für Jahr."

"Rückgrat des europäischen Qualitätsjournalismus"

Letztlich gehe es auch um eine klare politische Frage: "Wie werden sich die Qualitätsmedien behaupten können?" Aus der Sicht von Unterberger stellen nicht zuletzt die öffentlich-rechtlichen Medien das "Rückgrat des europäischen Qualitätsjournalismus" dar. Grundsätzlich brauche es ob der globalen Herausforderungen aber eine Allianz aller Qualitätsmedien.

"Wer den öffentlich-rechtlichen Auftrag ernst nimmt, nimmt ihn auch persönlich", meinte dazu ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Der Public Value-Bericht zeige eindrucksvoll, wie sehr die Programmmacher des ORF dies täten. "Er dokumentiert das vielfältige multimediale Leistungsspektrum des ORF und leistet einen wichtigen Beitrag zur Absicherung und Weiterentwicklung der Medienqualität." (APA, 23.4.2014)

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