Gelbe Engel sollen ADAC-Mitglieder benachteiligen

23. April 2014, 11:42
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Die Skandalserie beim deutschen Automobilclub will und will nicht abreißen: Nach Manipulationen, Privatnutzung von Hubschraubern etwa, tauchen neue Vorwürfe auf

Ruhe sieht anders aus. Dem ADAC sollen bei der Pannenhilfe wohl schwere Pannen unterlaufen sein, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Eine Meldung, die sich nahtlos in eine Serie von Vorwürfen eireiht. Denn seit Anfang des Jahres bekannt wurde, dass der deutsche ADAC die Leserwahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" jahrelang manipuliert und Notfallhubschrauber regelmäßig als "Privat-Taxis" eingesetzt hatte, kommt der Automobilclub nicht aus den Schlagzeilen. Reihenweise geben Fahrzeughersteller empört die Auszeichnung "Gelber Engel" zurück, ADAC-Präsident Peter Meyer nimmt seinen Hut - und kommt damit dem drohenden Rausschmiss zuvor, Geschäftsführer Karl Obermair wird fristgerecht zum 31. März gekündigt. Verabschiedet vom Club haben sich nach dem Manipulationsskandal bis Ende März aber auch rund 191.300 Mitglieder (insgesamt 250.000 Kündigungen mehr als im Vorjahreszeitraum). Demgegenüber stehen knapp 61.000 Neueintritte.

Eine Imagekampagne, die bereits im Jänner starten sollte, wurde zunächst verschoben und soll nun ab Mitte Mai in TV und Hörfunk geschaltet werden. Im Mittelpunkt dieser Spots sollen die "klassischen Serviceleistungen" wie Rat, Service und Hilfe stehen. Da kommt die Nachricht, dass die eigenen zahlenden Mitglieder bei der Pannenhilfe unter Umständen benachteiligt würden, zur Unzeit. Laut einem Bericht der "Süddeutsche Zeitung" würden jene Autofahrer, die unabhängig vom ADAC über ihren Autohersteller eine "Mobilitätsgarantie" gebucht hätten, in vergleichbaren Notfällen bevorzugt. Dies würde dem Club mehr Geld einbringen, da mehrere Autokonzerneden ADAC mit solchen Dienstleistungen beauftragt hätte.

Ein Vorwurf, den ein ADAC-Sprecher auf Anfrage dementiert: Die Aufträge würden samt und sonders nach Eingang bearbeitet. Ausnahmen gebe es nur, wenn eine Gesundheits- oder Verkehrsgefährdung vorliege oder sich eine Mutter mit Kind allein im Fahrzeug befinde. Im Schnitt liege die allgemeine Wartezeit auf Pannenhilfe bei 45 Minuten.

Seit der Skandalserie der letzten Monaten befindet sich der ADAC in einer schweren Krise. An einer Reform wird fieberhaft gearbeitet. Bei der Hauptversammlung im 10. Mai sollen erste Vorschläge auf den Tisch kommen. Die Zeit drängt. Denn was viele Mitglieder immer noch bei der Stange hielt, war der Pannendienst des Clubs. (red, derStandard.at, 23.4.2014)

  • Der ADAC hat manipulierte jahrelang die Leserwahl zum Autopreis "Gelber Engel". Der Verein hat umfassende interne Reformen angekündigt.
    foto: ap/roberto pfeil

    Der ADAC hat manipulierte jahrelang die Leserwahl zum Autopreis "Gelber Engel". Der Verein hat umfassende interne Reformen angekündigt.

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