Syndikatsvertrag: Boykott bei Telekom-Abstimmung

23. April 2014, 14:05
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Die Arbeitnehmervertreter blieben der Sitzung fern, in der der Syndikatsvertrag mit America Movil beschlossen werden sollte

Wien - Die fünf Arbeitnehmervertreter im ÖIAG-Aufsichtsrat sind der Sitzung am Mittwoch ferngeblieben. Sie haben sich geschlossen gegen den Syndikatsvertrag mit America Movil ausgesprochen und das auch gegenüber dem ÖIAG-Aufsichtsratvorsitzenden Peter Mitterbauer schriftlich begründet. Ob der Aufsichtsrat beschlussfähig ist, wollte die ÖIAG nicht kommentieren. Laut der Agentur Bloomberg fehlen auch drei weitere Mitglieder des Aufsichtsrats. Von 14 sind also nur sechs anwesend, sieben Anwesende wären nötig, um Beschlüsse fassen zu können.

Am Mittwoch sollte eigentlich die Entscheidung über die geplante Allianz der Telekom-Austria-Großaktionäre gefällt werden. Der Aufsichtsrat der Staatsholding berät über ein Bündnis mit dem mexikanischen Milliardär Carlos Slim. Sollte ein Syndikatsvertrag zustande kommen, hätte Slim über seinen Konzern America Movil weitreichende Kontrolle über die Telekom: Gemeinsam mit der ÖIAG käme er auf gut 55 Prozent der Aktien. Damit würde der Pakt auch ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre nötig machen. Alle strategisch wichtigen Entscheidungen könnten die beiden Anteilseigner der Telekom Austria nur mehr gemeinsam treffen.

Bis zum Abend sollen Aufsichtsräte und Juristen das Vertragswerk geprüft haben. Auch die Regierungsvertreter wollten das Papier noch durchgehen. Welche Vereinbarungen die beiden Großaktionäre treffen, sollte im Laufe des Tages bekannt werden. Die Telekom-Zentrale soll zumindest für die kommenden zehn Jahre in Wien bleiben, hat es bislang geheißen. Die Konzernführung soll hingegen Zug um Zug an die Mexikaner gehen. Dafür soll wiederum der Aufsichtsratsvorsitz längerfristig bei den Österreichern bleiben. 

Europageschäft ausbauen

Die ÖIAG will so die Konzernzentrale und die Jobs bei A1, Bob und Yesss! in Österreich halten. Slims America Movil wiederum strebt einen Anteil von mehr 30 Prozent an. Nach der Schlappe beim Übernahmeversuch bei der niederländischen KPN wäre die Allianz ein Erfolg für Slim. Er will das Europageschäft seines Konzerns ausbauen. Die Arbeitnehmervertreter im ÖIAG-Kontrollgremium hatten den geplanten Pakt bislang jedoch stets kritisch gesehen.

Derzeit hält die ÖIAG 28,42 Prozent an der Telekom Austria AG und die America Movil des zweitreichsten Menschen der Welt nach Bill Gates, Carlos Slim, 26,84 Prozent. Gemeinsam hat man also die Mehrheit. Die restlichen 44,74 Prozent sind im Streubesitz. Mit Blick auf eine Wachstumsperspektive ist eine Kapitalerhöhung sehr wahrscheinlich. Kommt es zu dieser, werde Republik "jedenfalls" so mitziehen, dass ihr über die ÖIAG 25 Prozent plus einer Aktie bleibt - also die Sperrminorität. Die Staatsholding könnte das mindestens 250 Millionen Euro kosten. (Reuters/rebu, derStandard.at, 23.4.2014)

  • Carlos Slim am Fußballplatz
    foto: reuters/garrido

    Carlos Slim am Fußballplatz

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