Facebooks Suche nach der perfekten Timeline

23. April 2014, 10:12
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Unzählige Faktoren bestimmen, was einzelne Nutzer sehen – etwa Meldungen mit dem Schlüsselwort "Gratulation!"

Facebook soll wie Fernsehen sein: ein angenehm berieselnder Strom an Geschichten, die einen interessieren. Allerdings läuft das "Programm" nicht für mehrere Millionen Seher gleich, vielmehr soll jeder Nutzer seinen individuellen Stream erhalten, erstellt aufgrund der persönlichen Vorlieben.

Unzählige Faktoren

Dafür sorgt ein personalisierter Algorithmus, der aufgrund von quantitativen und qualitativen Indikatoren ständig verändert wird. Zusätzlich befragt das Facebook-Team regelmäßig Nutzer direkt, was sie am Newsfeed interessiert oder stört.

Fade Timeline: Selber schuld

Wenn Nutzer ihre Timeline langweilig und irrelevant finden – und das tun immer mehr –, könnte das also zum Teil auch ihre eigene Schuld sein. Denn das individuelle Verhalten auf Facebook wird vom sozialen Netzwerk sehr aufmerksam registriert: etwa ob man oft kommentiert, wenn Freunde Musikvideos verlinken. Oder ob man sich mehr für Urlaubsfotos anderer interessiert.

Schlüsselbegriffe

Facebooks Algorithmus ist so feinmaschig, dass er sogar Wörter identifiziert, die unser Interesse feststellen sollen: beispielsweise "Gratulation!". Interagieren Nutzer oft bei Statusmeldungen, die mit diesem Begriff kommentiert wurden, schießt ein neues Posting an die Spitze ihres Newsfeeds, sobald auch hier das Wort gefallen ist.

Auswahl aus 1.500 Meldungen

Insgesamt wählt der Algorithmus aus bis zu 1.500 Geschichten aus, was Nutzer zuerst zu sehen bekommen. Neben den Schlüsselbegriffen spielt dabei beispielsweise eine Rolle, ob Nutzer ihre Likes eher unter Bilder, Videos oder Links setzen. Naturgemäß ist auch wichtig, wer die Meldung verfasst hat, Freunde werden durch eine komplexe "Interaktionsformel" gewichtet.

Länge des Postings am Bildschirm

Facebook misst auch, wie lange ein einzelnes Posting auf dem Bildschirm eines Nutzers erschienen ist. Handelt es sich dabei nur um Sekundenbruchteile, wird die Meldung vom sozialen Netzwerk als "nicht gelesen" eingestuft und könnte später wieder erscheinen. Bleibt das Posting kaum spürbar länger am Bildschirm, speichert es Facebook als "gesehen, aber für langweilig befunden" ab. Inhalte von externen Anbietern, also Facebook-Seiten, wurden in letzter Zeit stark abgewertet, da sie laut Umfragen nicht interessierten.

Ständiges Adaptieren

Der Newsfeed wird dabei ständig modifiziert. "Wir versuchen einen Service anzubieten, bei dem die für den User interessantesten Geschichten auch wirklich zuerst erscheinen", sagte Facebooks Newsfeed-Verantwortlicher Will Cathcart gegenüber Wired.

Werbung wird "nicht vermischt"

Davon unabhängig ist laut Facebook der Algorithmus, der Werbeeinblendungen bestimmt. "Wir mischen bezahlte Meldungen nicht mit Meldungen von Freunden", so Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Dennoch sollen gesponserte Meldungen in geraumer Zeit genauso relevant werden – das hofft zumindest Facebook. (Fabian Schmid, derStandard.at, 23.4.2014)

  • Mark Zuckerberg präsentierte 2013 den neuen Newsfeed: Die perfekte Timeline ist das Um und Auf für Facebook.
    foto: reuters/galbraith

    Mark Zuckerberg präsentierte 2013 den neuen Newsfeed: Die perfekte Timeline ist das Um und Auf für Facebook.

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