In London stehen U-Bahnen bald wieder still

23. April 2014, 09:37
4 Postings

Ab Montag bleiben viele U-Bahnen für 48 Stunden in ihren Garagen - Ein weiterer dreitägiger Ausstand ist ab 5. Mai geplant - Gewerkschaft kämpft gegen Schließung aller Fahrkartenschalter und den Abbau hunderter Arbeitsplätze

London - Erst Anfang Februar hat ein eintägiger Streik von Bediensteten der Londoner U-Bahn die britische Hauptstadt in ein veritables Verkehrschaos gestürzt. Hunderttausende Pendler mussten auf Busse umsteigen, weil drei der elf U-Bahn-Linien sowie Dutzende Bahnhöfe geschlossen blieben. Die Gewerkschaften hatten zum Arbeitskampf aufgerufen. Sie protestierten gegen Ankündigungen der U-Bahn-Betreiber, mehr als 250 Ticketschalter zu schließen. Ein weiterer geplanter Streik im Februar wurde kurzfristig abgesagt.

Die Differenzen zwischen dem U-Bahn-Management "Transport for London" (TfL) und den Mitarbeitern dürften aber weiter nicht ausgeräumt sein. Für Ende April sowie Anfang Mai kündigte die Gewerkschaft Rail, Maritime and Transport (RMT) Arbeitskampfmaßnahmen an, die über insgesamt fünf Tage gehen sollen. Ab Montag, 28. April, soll zunächst ab 21 Uhr für zwei Tage gestreikt werden. Ab Montag, 5. Mai, sollen U-Bahnen für drei Tage in Folge stillstehen. Täglich benützen etwa drei Millionen Passagiere die U-Bahnen.

Die Betreiber der U-Bahnen rechtfertigen geplante Modernisierungsmaßnahmen wie etwa die Schließung von 260 Ticket-Offices damit, dass aktuell nur für drei Prozent aller Reisen der Besuch eines Schalters notwendig ist. 60 Millionen Euro pro Jahr könnten mit der Automatisierung des Ticketverkaufs eingespart werden. Die Gewerkschaft RMT hingegen sieht 960 Jobs gefährdet. Gewerkschaftsvertretern sei "kristallklar" zu verstehen gegeben worden, dass die geplanten Einsparungen nur eine erste Tranche seien. Weitere "mit sogar härteren Attacken" auf Arbeitnehmern würden in der Warteschleife sein. Londons Bürgermeister Boris Johnson verurteilte die erneute Streikandrohung scharf.

11.000 Kameras für Sicherheit

In Wien hatten Mitarbeiter der Wiener Linien am Mittwochmorgen eine Betriebsversammlung abgehalten. Der Öffi-Verkehr zwischen 4 Uhr und 6.30 Uhr wurde auf Notbetrieb umgeschaltet. Die Mitarbeiter fordern nach einer Serie von gewalttätigen Übergriffen von Fahrgästen Anfang des Jahres sichere Fahrerkabinen und eine bessere Videoüberwachung. Sicherheit ist beim Londoner Streik der U-Bahn-Bediensteten kein Thema: Die Tubes und Buslinien werden vollständig mit Kameras überwacht. Alleine innerhalb des U-Bahn-Netzes sind mehr als 11.000 Kameras installiert. (David Krutzler, derStandard.at, 23.4.2014)

  • An fünf Tagen bleibt die Londoner U-Bahn geschlossen.
    foto: reuters/olivia harris

    An fünf Tagen bleibt die Londoner U-Bahn geschlossen.

Share if you care.