General Motors reagiert auf tödliche Pannenserie

23. April 2014, 08:26
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Der bisherige Chef der Sparte Konstruktion geht, laut GM hat sein Abschied aber nichts mit dem Zündschloss-Skandal zu tun

Detroit - Nach der tödlichen Pannenserie wegen defekter Zündschlösser baut General Motors die Führung im Bereich Konstruktion um. In diesem Zusammenhang wird auch mit dem bisherigen Chef der Sparte, John Calabrese, ein langjähriger Weggefährte der neuen Konzernchefin Mary Barra im August seinen Posten räumen, wie der größte US-Autobauer am Dienstag mitteilte. Der Bereich werde in die neu geschaffenen Sparten "Globale Produktintegrität" und "Globale Komponenten und Teilsysteme" aufgeteilt. Dadurch sollen Qualität und Sicherheit der Fahrzeuge verbessert werden.

Der Abschied des 55-jährigen Calabrese, der in den vergangenen 15 Jahren in verschiedenen Positionen mit Barra zusammenarbeitete, habe aber nichts mit dem Zündschloss-Skandal zu tun, sagte GM-Entwicklungschef Mark Reuss. Es ist allerdings der größte Wechsel im Spitzenmanagement seit Beginn des millionenfachen Rückruf wegen des Defekts im Februar. Angesichts immer komplexerer Systeme im Autobau könne GM mit dem Umbau im Konstruktionsbereich schneller auf mögliche Probleme reagieren, erklärte Reuss. Barra hatte erst im vergangenen Monat den altgedienten GM-Manager Jeff Boyer zum Chef für Sicherheitsfragen ernannt.

GM sieht sich in dem Skandal zahlreichen Klagen ausgesetzt. Bei Unfällen, die durch die defekten Zündschlösser ausgelöst wurden, sind mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen, 2,6 Millionen Autos wurden in die Werkstätten zurückgerufen. Weil die Zündschlüssel während der Fahrt in die Aus-Position zurückspringen können, kann der Motor ausgehen und sich Elektronik wie die Servolenkung, Bremskraftverstärker und Airbags abschalten. Die US-Behörden untersuchen, warum GM mit dem Rückruf so lange wartete, obwohl die Probleme mit den Zündschlössern seit mehr als zehn Jahren bekannt waren.

Abwehr gegen Klagen

General Motors wehrt sich nun vor einem weiteren Gericht gegen die Klagen im Zusammenhang mit den Massenrückrufen wegen der defekten Zündschlösser. Das Unternehmen beantragte auch bei einem Insolvenzgericht in New York, vor Klagen mutmaßlich Geschädigter geschützt zu werden.

Die Opel-Mutter ist der Ansicht, dass sie für Vorfälle vor dem Jahr 2009, als das Unternehmen aus der Insolvenz kam, nicht belangt werden kann, weil sie inzwischen rechtlich ein neues Unternehmen sei. Ansprüche, die sich auf die Zeit vor 2009 bezögen, müssten daher an die Überbleibsel der alten GM gerichtet werden. Geschädigte forderten hingegen in einer neuen Sammelklage, dass sich das neue Unternehmen wegen der Schäden verantworten müsse und nicht durch das Insolvenzrecht geschützt werde. Sie werfen GM vor, in betrügerischer Absicht Informationen zu den Mängeln zurückgehalten zu haben.

Bereits vergangene Woche beantragte GM vor Gerichten in Südtexas und Kalifornien die Aussetzung von Klagen. Das Unternehmen legt am Donnerstag seine Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal vor. Investoren erhoffen sich dabei einen Einblick, wie teuer den Konzern die Rückrufe zu stehen kommen.

In dem Rückruf-Skandal droht auch dem deutschen Autozulieferer Continental Ärger. In einer bei einem Bundesgericht eingereichten Klage wird die US-Tochter beschuldigt, von ihr für GM produzierte Airbags hätten nicht funktioniert, wenn sich die Zündung abschaltete. Das Unternehmen prüfe nun die Klage, sagte eine Sprecherin. Auch gegen andere Zulieferer wird geklagt. (Reuters/APA/red, derStandard.at, 23.4.2014)

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    foto: ap/molly riley
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