Wie sich schwimmende Teppiche aus Stein auf den Meeren ausbreiten

22. April 2014, 19:59
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Forscher entwickeln Routen-Modell für treibendes Vulkangestein, das internationale Schifffahrtsrouten bedroht

Southampton - Brechen unterseeische Vulkane aus, kann dies in der entsprechenden Region an der Meeresoberfläche zu meterdicken und Tausende Quadratkilometer großen Teppichen aus porösem Bimsstein führen. Die scharfkantigen schwimmenden Steine treiben weiter und bedrohen die Schifffahrt. In Zukunft könnte ein neu entwickeltes Vorhersagemodell über die Ausbreitung der steinernen Flöße wertvolle Informationen liefern. Für einen 400 Quadratkilometer großen Bimssteinteppich im Südlichen Pazifik hat sich die Methode bereits bewährt, berichten Forscher im Fachjournal "Nature Communications".

Bimssteinflöße treiben nach Vulkanausbrüchen auf dem Ozeanboden manchmal jahrelang übers Meer und können dabei Schifffahrtsrouten blockieren, Schiffe beschädigen und Häfen verstopfen. Die Teppiche stellen dadurch ein erhebliches kommerzielles Risiko dar. Obwohl sie nicht selten sind, ist über ihre Ausbreitung auf den Ozeanen nur wenig bekannt, auch Vorhersagesysteme gibt es nicht - zumindest bis jetzt.

Die Wissenschafter um Martin Jutzeler vom National Oceanography Centre in Southampton (Großbritannien) haben ihr neu entwickeltes Computermodell nach einem besonders eindrucksvollen unterseeischen Vulkanausbruch erprobt: der Eruption des Havre im Südwestpazifik im Juli 2012. Innerhalb eines Tages entstand die Hunderte Quadratkilometer umfassende, bis zu 60 Zentimeter hohe Ansammlung schwimmender Bimssteine.

Auf 550.000 Quadratkilometer verteilt

Jutzeler und seinen Kollegen gelang es, die Ausbreitung und Drift sowie die Dicke dieses Teppichs in den darauffolgenden Monaten mit einem hochauflösenden Modell der Meeresströmungen nachzubilden. Die Richtigkeit ihrer Berechnungen bestätigten sie in den Monaten nach dem Ausbruch durch Satellitenbilder und Beobachtungen von Schiffsbesatzungen. Nach drei Monaten Drift hatten sich die Brocken des Teppichs auf mehr als 550.000 Quadratkilometern verteilt - das ist mehr als die doppelte Fläche Neuseelands.

Die Ausbreitung und Drift eines Bimssteinteppiches hängt von Strömungen und Wind, aber auch seinem Entstehungsort, seiner Größe und Zusammensetzung sowie der Nähe zur Küste ab. Jutzeler und seine Kollegen wollen nun bei künftigen unterseeischen Vulkanausbrüchen die Reise der Bimssteinteppiche vorhersagen und so Schiffe und Häfen in der Region schützen helfen. Das Modell könne auch für anderes Treibgut wie Müllteppiche eingesetzt werden. (APA/red, derStandard.at, 22.04.2014)

  • Die Luftaufnahme der neuseeländischen Marine zeigt in einiger Entfernung den beginnenden Bimsstein-Teppich nach dem Ausbruch des Havre im Südwestpazifik. Ein neues Vorhersagemodell könnte in Zukunft die Route dieser riesigen Stein-Flöße vorher sagen.
    foto: apa/ epa/new zealand defense force

    Die Luftaufnahme der neuseeländischen Marine zeigt in einiger Entfernung den beginnenden Bimsstein-Teppich nach dem Ausbruch des Havre im Südwestpazifik. Ein neues Vorhersagemodell könnte in Zukunft die Route dieser riesigen Stein-Flöße vorher sagen.

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