Spanien gewinnt Vertrauen zurück: Zinsen als Zuckerbrot

Kommentar22. April 2014, 19:39
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Nicht alles, was auf dem Anleihenmarkt glänzt, ist Ausdruck einer glänzenden Wirtschaftslage

Der Anleihenmarkt hält für Europas Schuldenstaaten nach der Peitsche nun das Zuckerbrot bereit. Spaniens Staatsanleihen werden wieder so stark von internationalen Investoren nachgefragt wie seit Ausbruch der Vertrauenskrise nicht mehr. 70 Milliarden Euro mehr als noch 2012 investieren ausländische Anleger; das kann ohne Zweifel als Vertrauensbeweis gesehen werden.

Doch man sollte hinter die Zahlen blicken. Denn nicht alles, was auf dem Anleihenmarkt glänzt, ist Ausdruck für eine glänzende wirtschaftliche Lage. So ist die Europäische Zentralbank ein wesentlicher Mitgrund für den Kapitalmarktboom. Sie zwingt Anleiheninvestoren wie Pensionsfonds in riskantere Anleihen mit höheren Renditen, die es ihnen ermöglichen, ihre Verpflichtungen zu erfüllen.

Dazu sind die spanischen Zinsen auch Ausdruck der Deflationstendenzen in Spanien. In einem Land mit rückläufigem Preisniveau und kaum Wachstum sind drei Prozent Zinsen relativ hoch. Wenn die langfristigen Zinsen fallen, könnte das auch damit zu tun haben, dass Investoren ihre langfristigen Wachstumserwartungen weiter hinunterschrauben. Das wäre aber definitiv keinen Jubel wert.

Ob die günstigeren Zinsen wirklich ein Erfolg für Spanien werden, muss sich noch zeigen. Erst wenn das Land die Kapitalmärkte wieder für defizitfinanzierte Investitionen in die Zukunft anzapfen kann, ohne das Vertrauen zu verlieren, sind sie ein Zuckerbrot für den Aufschwung. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 23.4.2014)

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