Orbán schenkt sich ein Stadion

22. April 2014, 18:02
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Ungarns Premier eröffnet eine Fußballarena in seinem Heimatdorf

Der zu Monatsbeginn wiedergewählte ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat sich und seinem Kindheitsort Felcsút bei Budapest ein Fußballstadion geschenkt. Mit großem Pomp wurde die fast 4000 Menschen fassende Pancho-Arena am Abend des Ostermontags eingeweiht. Felcsút, wo Orbán teilweise aufwuchs und mehr als zwei Jahrzehnte lang im örtlichen Club Fußball spielte, hat 1800 Einwohner. Der Name der Arena soll an die Fußballlegende Ferenc Puskás (1927-2006) erinnern - als er bei Real Madrid spielte, war "Pancho" ein Spitzname des ungarischen Starkickers.

Der 12,4 Millionen Euro teure Bau ist ein Projekt, das der Rechtspopulist Orbán nach seiner Wahl vor vier Jahren mit Vehemenz betrieb. Bei der Einweihung hielt er selbst keine Ansprache, aber auf der Ehrentribüne, auf der sich Dutzende Granden und Oligarchen aus dem Kreis seiner Fidesz-Partei drängten, war er der "Hausherr", um den sich alles drehte. Sein Landhaus, in dem vor der Wahl 2010 alle Fidesz-Kandidaten zum persönlichen Casting antreten mussten, steht nur wenige Meter vom Haupteingang der Pancho-Arena entfernt.

Auch architektonisch ist das Stadion gewagt. Kelchförmige Holzträger wachsen aus den Betonstützen und halten die geschwungenen Dachelemente. Projektiert haben es Schüler des nationalistischen Architekten Imre Makovecz (1935-2011), der schon die unmittelbar benachbarte "Ferenc-Puskás-Fußballakademie" als Gralstempel des runden Leders errichtet hatte. Das bauliche Ensemble wirkt, als hätte Tolkiens düsterer Fürst Sauron seine Festung versehentlich in die bukolische Landschaft 50 Kilometer westlich von Budapest gestellt.

Kritik der Opposition

Für die Opposition ist Orbáns Stadion jedoch keine Stilfrage, sondern eine der Verschwendung von Steuergeldern. Der Regierungschef ließ nämlich ein eigenes Gesetz beschließen, das es seinen Oligarchen erlaubt, Teile der Gewinnsteuern, die sie abzuführen hätten, nach Gutdünken für Vorhaben dieser Art zu bestimmen. So wurde die Pancho-Arena zwar nicht direkt aus dem Staatshaushalt, aber doch auf dessen Kosten - in Form fehlender Einnahmen - finanziert.

Auch in anderen Städten Ungarns werden derzeit teure Stadien gebaut. Skeptiker verweisen allerdings auf den Zustand des ungarischen Fußballs. Ungarische Klubs werden im europäischen Feld unter ferner liefen geführt. (Gregor Mayer aus Felcsút, DER STANDARD, 23.4.2014)

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