Spanien reüssiert am Anleihenmarkt

22. April 2014, 17:59
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Die Zinskosten für Spanien fallen, doch Ökonomen betonen, dass das Land Wachstum braucht, um seine Probleme zu lösen

Madrid/Wien - Euphorie statt Panik verspüren internationale Investoren derzeit, wenn sie an Spanien denken. Zahlen der britischen Investmentbank Barclays zeigen, dass seit 2012 internationale Geldgeber der Regierung in Madrid wieder stärker vertrauen. Ausländische Geldgeber halten demnach wieder mehr als 182 Milliarden Euro an Staatsanleihen, 70 Milliarden mehr als noch Anfang 2012. "Ich erwarte, dass ausländische Anleiheninvestoren ihre Position weiter aufstocken", schätzt Huw Worthington, Anleihenstratege von Barclays, auf Anfrage des Standard.

Bei Barclays rechnet man damit, dass die Risikoaufschläge von spanischen Anleihen gegenüber deutschen Papieren weiter zurückgehen werden. Ein Grund dafür ist die Aussicht, dass die Europäische Zentralbank mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik auf die hartnäckig niedrige Inflation reagiert. Aktuell liegt die Rendite auf zehnjährige spanische Anleihen 1,55 Prozent über der deutschen Verzinsung. Das ist der niedrigste Stand seit August 2010. In der Spitze zahlte Spanien 6,8 Prozent mehr als Deutschland für zehnjährige Staatspapiere.

Vertrauen zurück

"Es ist wieder Vertrauen da", schließt Guntram Wolff, Leiter der Brüsseler Denkfabrik Bruegel, aus den Daten. Tatsächlich würden die Märkte einpreisen, "dass es keine Probleme mehr gibt." Für den Ökonomen wäre das aber eine vorschnelle Einschätzung. Denn Spanien fehle es weiter an nötigem Wachstum, um reale Probleme wie die hohe Arbeitslosigkeit zu lösen. 26,7 Prozent der Bevölkerung sind laut jüngsten Zahlen ohne Job. "Spanien wird zwar 2014 wieder wachsen, aber die Dynamik reicht bei weitem nicht aus, um die hohe Sockelarbeitslosigkeit zu drücken", warnt Wolff. Geht es nach den Ökonomen des Internationalen Währungsfonds, wird Spanien 2014 um 0,9 Prozent wachsen, nach einer Schrumpfung von 1,2 Prozent im Vorjahr.

Positiv sieht es laut Wolff vor allem für die spanischen Exporte aus. Das Land habe Wachstumsmärkte erschlossen und sei heute wettbewerbsfähiger als noch vor drei Jahren. Das lasse sich für Wolff etwa an der "komplett gedrehten" Leistungsbilanz ablesen. 2008 war der außenwirtschaftliche Saldo, gemessen an der Wirtschaftsleistung, noch mehr als zehn Prozent im Minus. Aktuell aber ist die Leistungsbilanz knapp ein Prozent im Plus.

Realer Erfolg bescheiden

Doch ein anderer Blick auf die fallenden Zinskosten für Spanien trübt das Bild etwas. Denn real - nach Abzug der Inflation - ist Spanien kaum entlastet. Zum Jahresbeginn 2012 standen die zehnjährigen Zinsen bei knapp fünf Prozent. Die Inflation lag aber noch bei zwei Prozent. Damit hat der reale Zinssatz, den die spanische Regierung zahlen musste, drei Prozent betragen. Heute, 15 Monate später, zahlt Spanien für zehnjährige Anleihen einen Zins von knapp drei Prozent. Doch die Inflationsrate liegt bei nur noch Minus 0,2 Prozent. Gemessen an dieser Maßzahl hat sich die reale Finanzierungslage für Spanien daher kaum verbessert. (sulu, DER STANDARD, 23.4.2014)

  • Von der Euphorie an den Finanzmärkten haben Arbeitslose in Spanien vorerst wenig. Mehr als jeder Vierte ist arbeitslos, niedrige Zinsen haben sich noch nicht im Wachstum niedergeschlagen.
    foto: reuters

    Von der Euphorie an den Finanzmärkten haben Arbeitslose in Spanien vorerst wenig. Mehr als jeder Vierte ist arbeitslos, niedrige Zinsen haben sich noch nicht im Wachstum niedergeschlagen.

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