Juwelenräuber kamen als Fußballfans

22. April 2014, 17:50
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Es gibt sie noch, die organisierte Kriminalität. Als Fußballfan getarnt ist sie beispielsweise auf Raubzug durch Europa. Drei Ermittlungserfolge zeigen, wie wichtig die Polizeizusammenarbeit über Grenzen hinweg ist

Wien - Um die sogenannte organisierte Kriminalität, kurz OK, war es in den vergangenen Jahren eher ruhig geworden. Zumindest in den für die Öffentlichkeit gedachten Polizeimitteilungen. Doch drei neue, internationale Ermittlungserfolge gegen mafiose Strukturen auf dem Westbalkan bringen den Lieblingsfeind der Kripo-Fahnder aus den 90er-Jahren wieder ins Rampenlicht: Drei Banden, auf deren Konto Raubüberfälle, Schmuggel sowie Drogen- und Waffenhandel gingen, sei das Handwerk gelegt worden. Insgesamt sind 68 Personen in Haft, davon wurden 19 in Österreich festgenommen.

- Operation Alcatraz war nach einem Fanclub des Fußballklubs Partizan Belgrad benannt. Als dessen Mitglieder getarnt soll eine Räuberbande durch Europa getourt sein, die es vor allem auf Juweliere, aber auch Postämter oder Trafiken abgesehen hatte.

Europaweit soll die Gruppierung mindestens 24 Raubüberfälle begangen haben, neun davon 2013 in Österreich. Dabei handelt es sich um vier Juwelierüberfälle, darunter zwei Luxusjuweliere in der Wiener Innenstadt, sowie fünf Überfälle auf Postfilialen, die zumeist immer vom gleichen Täter begangen wurden. Hinzu kommen sieben Einbruchsdiebstähle in Österreich, einmal wurde beispielsweise in Wien ein älteres Ehepaar in seiner Wohnung heimgesucht.

- Operation Mekaniku betraf ein Familienunternehmen aus dem Kosovo, das sich auf den Schmuggel von Cannabiskraut spezialisiert haben soll. Die Beschuldigten sollen das Gras in einer Werkstatt in

Prishtina in großem Stil in alte Autos eingebaut und quer durch Europa transportiert haben. Das Suchtgift wurde in doppelten Böden versteckt, vakuumverpackt in Kfz-Platten eingeschweißt. Nicht einmal Suchtgifthunde erschnüffelten die heiße Ware. Doch in Österreich bekamen Drogenfahnder Wind davon. Für die geplante Übergabe vor zwei Wochen wurde in Scharndorf in Niederösterreich eine Autowerkstatt gemietet. Deren Besitzer fragte aus Freude über die gebotenen 3000 Euro nicht weiter nach. Am 11. April kam es zum Showdown, die Polizei kassierte zwei Überbringer, zwei Abholer und 88,3 Kilogramm Marihuana. Auch im Kosovo gab es Razzien mit Festnahmen.

- Operation Shilling war der Codename für Ermittlungen gegen Waffen- und Munitionsschieber. Dafür haben Beamte aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien, Deutschland, Dänemark, Schweden und von Europol quasi eine Bande gebildet. Die Gegenspieler sollen Waffen an die Hells Angels geliefert haben. Auch die beiden Kalaschnikows, die an der Grenze in Spielfeld abgefangen wurden, sollen für die Höllenengel bestimmt gewesen sein.

Ausgangspunkt für die Einsätze war ein internationales Projekt, das im Vorjahr zur gemeinsamen Bekämpfung der organisierten Kriminalität in den Westbalkanstaaten installiert wurde. Die Federführung liegt bei Ernst Geiger vom heimischen Bundeskriminalamt. Neun weitere Operationen laufen noch. (simo, DER STANDARD, 23.4.2014)

  • Tatort Wiener Innenstadt: Auch der Juwelierüberfall vor einem Jahr soll auf das Konto einer internationalen Bande gehen, deren Mitglieder als Fans von Partizan Belgrad getarnt waren.
    foto: apa/georg hochmuth

    Tatort Wiener Innenstadt: Auch der Juwelierüberfall vor einem Jahr soll auf das Konto einer internationalen Bande gehen, deren Mitglieder als Fans von Partizan Belgrad getarnt waren.

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