Familienalbum unserer schillernden Verwandtschaft

23. April 2014, 18:59
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Der Bildband "Affen der Welt - Welt der Affen"

Dass uns die Welt bunt erscheint, verdanken wir unserer Abstammung von einer ganz besonderen Tiergruppe. Zwar verfügen Säugetiere - im Vergleich etwa zu Vögeln - nur über eine recht dürftige Farbwahrnehmung. Primaten allerdings bilden eine Ausnahme.

Und sie erkennen Farben nicht nur, sie tragen sie auch. Wie die blau-rote Gesichtszeichnung eines Mandrills oder die himmelblauen Hoden einer Grünen Meerkatze zeigen, stellen Primaten die mit Abstand buntesten Vertreter der Säugetiere: ein Umstand, den der Bildband "Affen der Welt - Welt der Affen" weidlich ausnützt.

Mit Aufnahmen von über hundert Spezies versammelt der Schweizer Naturfotograf Thomas Marent hier knapp ein Viertel der gesamten Artenvielfalt der Primaten. Zugleich ist es ein repräsentativer Querschnitt vom kaum 100 Gramm leichten Mausmaki bis zum 200 Kilogramm schweren Gorilla, von fernen Verwandten bis zu Cousins ersten Grades.

Begleitet werden die Fotos von erläuternden Kurztexten des deutschen Zoologen Fritz Jantschke, ein Vorwort hat die kürzlich 80 gewordene Star-Primatologin und Umweltaktivistin Jane Goodall beigesteuert.

Jede zweite Primatenart heute ist bedroht, das ist eine der zentralen Botschaften des Buchs. Goodall spricht davon, wie wichtig es für den Artenschutz sei, das Herz der Öffentlichkeit zu erreichen, und "Affen der Welt" entspricht diesem Impetus. Der Band richtet sich nicht an ein Fachpublikum, wie unter anderem die Gliederung zeigt, die veraltete taxonomische Begriffe wie "Halbaffen" enthält - korrekt wäre das sperrige "Feuchtnasenprimaten". Das sei ein Zugeständnis an das Vorwissen des Publikums, wie Jantschke erklärt, und soll das Verständnis erleichtern. Im Fließtext und im Anhang nimmt er es dafür umso genauer.

Mit seinem Format von 24,5 x 30,5 Zentimetern und den zahlreichen ganzseitigen Farbfotos präsentiert sich "Affen der Welt" als klassisches "Coffee Table Book". Die Informationen sind korrekt, aber knapp und stellen sich ganz in den Dienst der Bilder.

2006 veröffentlichte die US-Fotografin Jill Greenberg ihre "Monkey Portraits": im Studio inszenierte Bilder gezähmter Affen, die durch forcierte Anthropomorphisierung die Ähnlichkeit mit dem Menschen zeigen sollten. Letztlich dokumentierten sie aber nur eines: eine große Künstlichkeit.

Marents auf verschiedenen Reisen durch Afrika, Asien und Südamerika entstandene Bilder hingegen zeigen Primaten in ihren natürlichen Lebensräumen und bei unverfälschten Verhaltensweisen: beim Fressen und Spielen, bei Aggression und Kinderfürsorge - und beim neugierigen Betrachten des fotografierenden Eindringlings in ihrem Gebiet. Und diese Tiere sind um keinen Deut weniger ausdrucksstark als Greenbergs haarige Models.

Mit seinem hohen Schauwert ist "Affen der Welt" ein Fest für augengesteuerte Lebewesen wie uns. Oder wie es im Geleitwort des deutschen Journalisten und Tierfilmers Dirk Steffens heißt: "Es ist ein Buch von Affen für Affen über Affen." (Jürgen Doppler, DER STANDARD, 23.4.2014)

  • Thomas Marent, Fritz Jantschke: "Affen der Welt - Welt der Affen". Frederking & Thaler 2014, 240 Seiten, 51,40 Euro
    cover: frederking & thaler

    Thomas Marent, Fritz Jantschke: "Affen der Welt - Welt der Affen". Frederking & Thaler 2014, 240 Seiten, 51,40 Euro

  • Faszinierend bunt: ein südostasiatischer Kleideraffe.
    foto: thomas marent/frederking & thaler verlag

    Faszinierend bunt: ein südostasiatischer Kleideraffe.

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