Tscheche beantragte Asyl in Österreich

22. April 2014, 18:18
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Oberlandesgericht Graz entscheidet über Auslieferung in umstrittenem Justizfall

Klagenfurt - Marek R. alias Josef M. (47) sitzt in Klagenfurt in Auslieferungshaft. Der tschechische Staatsbürger und Architekt wurde in seinem Heimatland wegen Betruges zu sechs Jahre Haft verurteilt. M., der als Kronzeuge in einem der größten Korruptionsprozesse Tschechiens aussagte, in dem auch hochrangige Politiker involviert gewesen sein sollen, sieht sich als unschuldiges Justizopfer. Im sogenannten "Budisov-Fall" geht es um Betrug mit EU-Fördermitteln.

In erster Instanz wurde dem Auslieferungsbegehren der tschechischen Behörden bereits stattgegeben. Nach einer Beschwerde von M.s Anwalt wird nun das Oberlandesgericht Graz am kommenden Freitag darüber entscheiden. M. hat jetzt große Angst vor seiner Auslieferung und sieht in Tschechien sein Leben bedroht. Deshalb hat er in Österreich Asyl beantragt. Allerdings muss erst geklärt werden, ob es in Tschechien verstärkt zu Menschenrechtsverletzungen kommt. Schon während des Prozesses hatte M. Morddrohungen erhalten und war deshalb auch in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen worden. Der 47-Jährige musste eine neue Identität annehmen. Im Strafverfahren sei plötzlich M. zum Hauptangeklagten gemacht und verurteilt worden, sieht Anwalt Franz Stefan Pechmann einen "Politkrimi" . Die Politiker seien freigesprochen worden.

Versteckt im Kloster

Nach seiner Verurteilung flüchtete M. mit seiner Familie nach Österreich. Die Familie lebte getrennt in Klöstern. M. und seine beiden Söhne versteckten sich im Kloster Wernberg in Kärnten, Gattin Jaroslava und die krebskranke Tochter fanden bei den Marienschwestern vom Karmel in Linz Unterschlupf. M. wurde per EU-Haftbefehl gesucht und nach einer Zielfahndung des Bundeskriminalamtes im Kloster Wernberg aufgespürt und in Haft genommen.

Die Nonnen sind von der Unschuld des Flüchtigen überzeugt und haben ihm den Anwalt zur Verfügung gestellt. Sie betreuen auch seine Familie liebevoll. Auch im Klagenfurter Gefängnis wird M. immer wieder von den Nonnen besucht. Dem Priester und Rektor des Bildungshauses Tainach, Joze Kopeinig, wurde kürzlich ein Besuch allerdings untersagt. Sollte M. tatsächlich nach Tschechien ausgeliefert werden, bleiben ihm als Rechtsmittel nur mehr eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof und der Gang zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 23.4.2014)

  • Josef M. versteckte sich mit seinen beiden Söhnen nach seiner jahrelangen Flucht zuletzt im Kloster Wernberg in Kärnten. Die Nonnen sind von seiner Unschuld überzeugt.
    foto: kloster wernberg

    Josef M. versteckte sich mit seinen beiden Söhnen nach seiner jahrelangen Flucht zuletzt im Kloster Wernberg in Kärnten. Die Nonnen sind von seiner Unschuld überzeugt.

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