OnePlus One: Günstiges Highend-Smartphone mit Cyanogenmod vorgestellt

23. April 2014, 10:01
302 Postings

Wird um weniger als 300 Euro verkauft - Start-up erprobt "Silicon-Valley-Strategie"

Seit Monaten rührt das Start-up OnePlus via Social Media die Werbetrommel für sein erstes Smartphone, das OnePlus One. Für Aufmerksamkeit sorgten unter anderem Anspielungen auf etablierte Größen wie Samsung und Apple und die Ankündigung, das Gerät um weniger als 350 Euro auf den Markt zu bringen. Nach mehreren Leaks im Vorfeld hat das Unternehmen nun offiziell den Schleier gelüftet.

Flotte Hardware, gute Verarbeitung

Zu den Eckdaten: Die Displaydiagonale des One beläuft sich auf 5,5 Zoll und bietet Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Pixel). Darunter werkt ein Snapdragon-801-Quadcore-Prozessor mit 2,5-GHz-Taktung, dem 3 GB Arbeitsspeicher zur Seite gestellt werden.

Es gibt zwei Speicherausführungen, 16 und 64 GB. Eine Erweiterung der Kapazität via MicroSD-Slot ist allerdings nicht möglich. Der integrierte Lithium-Polymer-Akku liefert 3.100 mAh und ist nicht wechselbar. Lange Laufzeit soll unter anderem die Fähigkeit des Displays gewährleisten, bei Standbild weniger Strom zu konsumieren. Wechselbar ist allerdings die aus einer Magnesiumlegierung bestehende rückseitige Abdeckung des Telefons. Passende "Styleswap"-Cover aus verschiedenen Materialien wie etwa Holz sollen im Lauf des Jahres erhältlich werden.

Das Smartphone misst 152,9 x 75,9 x 8,9 Millimeter und wiegt 162 Gramm. Der WebStandard hatte im Vorfeld die Gelegenheit, ein Vorseriengerät des One unter die Lupe zu nehmen. Dieses machte in puncto Verarbeitung bereits einen ausgesprochen guten Eindruck. In ästhetischer Hinsicht weist es allerdings die eine oder andere Ähnlichkeit mit Oppos Find 7 auf.

Kamera mit RAW-Support und 4K-Video

Als Hauptkamera kommt ein 13-Megapixel-Sensor von Sony zum Einsatz. Sie verfügt über einen Dual-LED-Blitz. Der Exmor IMX213 bringt eine f/2.0-Blende mit und ist mit sechs Linsen ausgestattet, wovon eine etwaige Verzerrungen durch die niedrige Apertur korrigieren soll. Bilder lassen sich als JPEG-Files und im RAW-Format speichern.

Versprochen werden auch gute Ergebnisse bei schlechten Lichtverhältnissen. Das Praxisergebnis bleibt abzuwarten, erste Vergleichsbilder, die im Vorfeld in Umlauf gebracht worden waren (siehe hier bei Phonearena), wirken vielversprechend.

Die Kamera unterstützt die Aufnahme von Videos in Full HD und auch 4K-Auflösung. Zeitlupenaufnahmen mit 120 Frames pro Sekunde sind in 720p möglich. Die Frontkamera liefert eine Auflösung von 5 Megapixel.

Video: OnePlus One 4K-Demo

LTE mit Abstrichen

In puncto Konnektivität bietet das OnePlus One neben 3G auch LTE-Unterstützung, das Modem unterstützt dabei allerdings die 800-MHz-Frequenz nicht. Das könnte in Deutschland dazu führen, dass vor allem in ländlichen Gegenden nur 3G zur Verfügung steht, da hier die Anbieter T-Mobile, O2 und Vodafone oft auf dieses Frequenzband setzen. In Österreich werden aktuell ausschließlich Frequenzen im 2.600-Mhz-Bereich genutzt.

Weiters an Bord sind Dualband-WLAN nach 802.11ac-Standard, Navigation per GPS/GLONASS, Bluetooth 4.1 und NFC. Für gute Akustik sollen Stereo-Lautsprecher sowie zwei zusätzliche Mikrofone zur Lärmfilterung beim Telefonieren sorgen.

Cyanogenmod 11S

Die Software des Geräts steuert Cyanogenmod bei, ausgeliefert wird das Smartphone mit Cyanogenmod 11S. Dieses wurde eigens für das OnePlus One entwickelt und basiert auf Android 4.4. Diese Adaption bietet ein merklich von Stock Android abweichendes Design, soll sich aber über Themes und andere Einstellungen stark anpassen lassen. Auch eine Rückkehr zum Standard-Look des Google-Betriebssystems ist möglich. Es ist einstellbar, ob man zur Navigation Onscreen-Buttons oder Hardware-Tasten verwenden möchte.

Ähnlich wie Motorolas Moto X lässt sich das One per Sprachkommando aus dem Schlafmodus aufwecken. Weites können am abgeschalteten Display Gesten gezeichnet werden, um direkt verschiedene Apps aufzurufen - ein Feature, das man auch vom Oppo N1 kennt. Cyanogenmod wird zumindest zwei Jahre lang Software-Updates liefern. Das Handy ist allerdings auch offen für Custom ROMs.

Ab 269 Euro

Eine Kampfansage liefert OnePlus mit dem Preis. Die 16-GB-Ausgabe des Smartphones soll in Österreich und Deutschland 269 Euro kosten. Die Fassung mit 64 GB ist für 299 Euro zu haben - damit unterbietet man bei aktuellerer Hardware selbst das Nexus 5 von LG und Google, dessen 16-GB-Version hierzulande um 349 Euro angeboten wird. Verfügbar sind die Farbvarianten "Silk White" (16 GB) und "Sandstone Black" (64 GB), die Auslieferung soll zwischen Mitte und Ende Mai beginnen, erhältlich ist das Gerät ausschließlich über den Online-Store.

Silicon-Valley-Strategie mit Risiken

Der WebStandard konnte im Vorfeld ein Gespräch mit dem OnePlus-Produktmanager Carl Pei führen. Er erklärte, dass das in Shenzhen ansässige Unternehmen versuche, im Stile eines US-Start-ups am Markt Fuß zu fassen. Das OnePlus One dient folglich nicht als unmittelbare Einnahmequelle - man rechnet nicht damit, durch Verkauf der Hardware schwarze Zahlen zu schreiben -, sondern als Vehikel zur Schaffung einer großen Nutzerbasis.

Ist dieses Ziel einmal erreicht, wolle man versuchen, Wege zur Monetarisierung zu erarbeiten. Wie diese aussehen könnten, bleibt derweil offen. Ein fertig entwickeltes Businessmodell gibt es noch nicht. Eine Einnahmenschiene dürfte aber der Verkauf von Zubehör für das Gerät werden.

Die Strategie birgt freilich Risiken, zumal das Unternehmen nicht einmal ansatzweise über ein Marketingbudget verfügt wie etwa Samsung. Geht der Plan auf, könnte er branchenweit Auswirkungen haben. Scheitert man, könnte die junge Firma bald wieder Geschichte sein.

Invite-System

Dementsprechend ist man bestrebt, für Aufmerksamkeit zu sorgen. Dafür sorgen soll etwa ein Invite-System, das zu Beginn anstelle eines offenen Verkaufs zum Einsatz kommt. Der Plan ist es, auf diesem Wege über "Mundpropaganda" für Nachfrage zu sorgen.

Kontroverser Zerstörungs-Wettbewerb

Zuerst sollen 100 Interessenten die Möglichkeit erhalten, das OnePlus One im Rahmen eines am 25. April beginnenden "Smash"-Wettbewerbs um einen Dollar zu erwerben und ihren Freunden Einladungen zu spendieren.

Kontroversen in puncto Umweltbewusstsein dürften vorprogrammiert sein, lautet doch die Aufgabenstellung, das eigene aktuell genutzte Smartphone mit einem Werkzeug nach Wahl kaputt zu machen. Erhält man die Zusage, muss zum Beweis ein Video auf Youtube hochgeladen werden, das die Zerstörung dokumentiert. (Georg Pichler, derStandard.at, 23.4.2014)

Video: OnePlus One Teaser

  • Das OnePlus One soll dank Highend-Hardware zum Preis eines Mittelklasse-Telefons eine große Nutzerbasis für das junge Start-up schaffen. Bei einem kurzen Hands-on mit einem Vorserienmodell erhielt der WebStandard einen ersten und sehr guten Eindruck von der Verarbeitung des Geräts.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Das OnePlus One soll dank Highend-Hardware zum Preis eines Mittelklasse-Telefons eine große Nutzerbasis für das junge Start-up schaffen. Bei einem kurzen Hands-on mit einem Vorserienmodell erhielt der WebStandard einen ersten und sehr guten Eindruck von der Verarbeitung des Geräts.

  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/georg pichler
  • Artikelbild
    foto: oneplus
  • Artikelbild
    foto: oneplus
  • Artikelbild
    foto: oneplus
  • Artikelbild
    foto: oneplus
  • Artikelbild
    foto: oneplus
Share if you care.