Das beste Stück ... nachgefragt bei Nina Kusturica

Kolumne27. April 2014, 17:12
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Michael Hausenblas fragt die Filmemacherin Nina Kusturica, warum sie diesen kleinen Koffer niemals hergeben wird

"Ich bin jemand, der versucht, sich von allen Gegenständen zu befreien. Es gibt immer wieder Momente, in denen man weiterziehen muss, und in solchen ist es nicht gut, sich an Dingen festzuhalten. Aber ein Objekt gibt es doch, von dem ich mich nicht trennen kann. Dabei handelt es sich um den Koffer, den ich gepackt habe, als ich aus Sarajewo flüchten musste. Das war im Jahr 1992.

Es ist ein kleiner Koffer, in den lediglich ein paar T-Shirts, Hemden, Bücher und eine Hose passten. Ich dachte damals, ich würde nur für kurze Zeit fort sein. Ich hatte keine Ahnung, dass ich woanders ein neues Leben beginnen würde.

Wenn ich heute manchmal denke, ich hätte gern dieses oder jenes, dann fällt mir dieser Koffer ein, in dem alles Platz hatte, was ich benötigte. Er ist also auch ein Symbol dafür, wie wenig man in Wirklichkeit braucht. Als Koffer hat er völlig seinen Sinn verloren, gerade weil er mir so wichtig wurde. Ich würde doch niemals mit ihm verreisen." (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 25.4.2014)

Nina Kusturica lebt als Regisseurin, Autorin und Produzentin in Wien.
Info: www.nk-projects.com

  • Nina Kusturicas Koffer ist ein Symbol dafür, wie wenig man in Wirklichkeit braucht.
    foto: nathan murrell

    Nina Kusturicas Koffer ist ein Symbol dafür, wie wenig man in Wirklichkeit braucht.

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