Die Spielplätze der Ultrareichen

30. April 2014, 15:32
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London ist laut "Wealth Report" die wichtigste Stadt für Menschen mit mehr als 30 Millionen Euro Vermögen. Doch Asien und Afrika sind groß im Kommen

Mit Rankings der Superreichen wie dem jüngsten Wealth Report von Knight Frank ist es so eine Sache: Die Zahl derer, die diese tatsächlich betreffen, ist naturgemäß bescheiden. "Warum soll sich jemand dafür interessieren?", fragt daher auch Liam Bailey, Leiter der Residential Research beim international tätigen Immobiliendienstleister, bei der Präsentation des jüngsten Reports. 600 Mitarbeiter von Vermögensverwaltungen und Privatbanken waren zum Anlageverhalten der Superreichen befragt worden.

Die Antwort auf seine Frage reicht Bailey gleich selbst nach: weil es um ziemlich viel Geld geht. Und wo die 20,1 Billionen US-Dollar, von denen hier die Rede ist, investiert werden, betrifft eben auch Normalsterbliche.

Wien: Tendenz steigend

Auf Platz 13 des europäischen Städterankings der Superreichen liegt Wien: 384 sogenannte "Ultra High Net Worth Individuals" (UHNWI) mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Euro leben in der österreichischen Hauptstadt - Tendenz steigend: 2023 sollen es laut Wealth Report schon 483 sein. Zahlen, über die man im top-gerankten London wohl nur müde lächeln kann: In der britischen Metropole leben gleich 4224 UHNWIs - und auch dort wird die Zahl noch steigen.

In absoluten Zahlen werden die meisten Reichen der Welt laut Knight Frank im Jahr 2024 in New York leben. Die stärksten Zuwächse dürfte es demnächst aber in Afrika und Asien geben.

Jakarta als Spitzenreiter

Die Experten von Knight Frank analysierten auch die Preisentwicklungen auf 90 Luxusimmobilienmärkten. Globale Spitzenreiter bei Preisanstiegen sind demnach Jakarta in Indonesien (plus 37,7 Prozent) und das neuseeländische Auckland (plus 28,8 Prozent). Auch in China haben die Preise im Luxusbereich im Vorjahr angezogen, in Peking etwa um 17 Prozent. Die Regierung habe versucht, diesen Preisanstieg zu kontrollieren, berichtet Bailey, dies sei jedoch gescheitert.

In Europa sanken die Preise zwar im Schnitt um ein Prozent, vielerorts geht es trotzdem bergauf mit den Preisen für Luxusimmobilien, so auch in Wien. Hier stiegen die Preise 2013 um sechs Prozent. Luxustechnisch spielt sich laut Eugen Otto, Geschäftsführer von Otto Immobilien, fast alles in der Inneren Stadt ab: Hier gebe es ein Angebot von hochwertigen Eigentumswohnungen von 10.000 bis hin zu 30.000 Euro pro Quadratmeter. Und Liam Baileys Prognose für die Bundeshauptstadt ist wenig überraschend: Die Preise werden weiter anziehen.

Vertrauen wichtig

Einer der Gründe für die Beliebtheit Wiens bei den Reichen sei das Vertrauen, das Anleger in den Standort haben, erklärt Bailey. Doch auch Hürden beim Markteintritt spielen für Eugen Otto eine Rolle für den Erfolg der Bundeshauptstadt: Die "Stamp Duty" in London (vergleichbar mit der österreichischen Grunderwerbssteuer) etwa liege bei sieben Prozent für Immobilien, die einen Wert von mehr als zwei Millionen Pfund haben (2,4 Millionen Euro). Auch in Hongkong wurde die Steuerbelastung für Ausländer, die Immobilien kaufen, signifikant erhöht - was einer der Gründe sein dürfte, warum die Luxusimmobilienpreise hier 2013 um 2,2 Prozent gesunken sind.

Und wo würde der Profi Liam Bailey selbst investieren? Vielleicht auf einem wachsenden Markt wie Barcelona, Madrid oder Dublin, überlegt er. "Das wäre die intelligente Antwort." Wahrscheinlich wird er aber in London kaufen - denn dort braucht er nämlich tatsächlich eine Wohnung. (Franziska Zoidl, Open Haus, DER STANDARD, 30.4.2014)

Hintergrund: Luxusimmobilien

Die Luxusimmobilien der Zukunft sind in Asien: Hier haben die Preise im Luxusbereich im Vorjahr im Schnitt um 13,5 Prozent angezogen. Jakarta, Bali, Peking und Kanton sind in den Top Ten des "Prime International Residential Index" von Knight Frank zu finden. In Europa sind die Preise mit einem Minus von einem Prozent leicht rückläufig, doch Märkte, die die Krise besonders hart traf, locken wieder Investoren an: Dublin liegt auf Platz fünf (+17,5 Prozent), Madrid auf Platz 29 (+5 Prozent). Am Ende des Rankings sind hauptsächlich europäische Märkte zu finden: Mailand, Sardinien und Evian verzeichneten etwa ein Minus von zehn Prozent.

  • Wo die von Knight Frank analysierten "Ultrareichen" ihre Billionen investieren, ist auch für Normalsterbliche von Bedeutung.
    foto: epa/hofford

    Wo die von Knight Frank analysierten "Ultrareichen" ihre Billionen investieren, ist auch für Normalsterbliche von Bedeutung.

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