Diesmal wollte ich es gemütlich!

23. Mai 2014, 13:57
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Die Filmregisseurin und Autorin Jessica Hausner wohnt im zweiten Wiener Bezirk in einer Art WG, wie sie es selbst nennt

Die Filmregisseurin und Autorin Jessica Hausner wohnt im zweiten Wiener Bezirk in einer Art WG, wie sie es selbst nennt. Wichtig ist ihr, dass die Räume offen und verbunden wirken, erfuhr Anne Feldkamp.

"Als wir vor vier Jahren in diese Wohnung im zweiten Bezirk gezogen sind, habe ich das erste Mal wirklich neue Möbel gekauft und Geld ausgegeben, anstatt mich immer nur mit gebrauchten Caritas-Möbeln zu umgeben. Das Sofa im Wohn- und Arbeitszimmer zum Beispiel ist überhaupt mein erstes etwas teureres Stück. Es ist so neu wie unsere Wohnung. Weil ich immer auf weniger Raum, zuletzt auf 40 Quadratmetern, gewohnt habe, hatte ich bisher kein so großes Sofa. Aber diesmal dachte ich mir, dass wir unbedingt einen eigenen Platz für sinnlose Tätigkeiten wie Fernsehen und Rumhängen brauchen. Wichtig bei der Auswahl der Einrichtung war mir: Gesellig und familiär sollte es sein. Ich wohne hier auf ungefähr 90 Quadratmetern mit meinem Lebensgefährten, unserem Sohn Iggy und dem Au-pair-Mädchen Dora in einer Art Wohngemeinschaft.

Spannend ist, dass wir alle unterschiedlich alt sind, jeder bringt einen anderen Input mit. Dora ist Mitte 20, mein Lebensgefährte um die 50, ich 40, und Iggy wird vier. Ich denke oft darüber nach, was für ein riesiger Unterschied das zu meinem früheren Leben ist: Früher war ich eine Einzelperson, jetzt sind wir eine Art Unternehmen, durch das Kind ist viel zu organisieren. Das schlägt sich auch in der Wohnung nieder.

Früher war bei mir viel Stahl und Weiß, jetzt gibt es vor allem warme Farben, denn ich will es gemütlich haben. Das war ein bisschen das Motto beim Einrichten dieser Wohnung. Außerdem war mir wichtig, dass die Räume offen miteinander verbunden sind. Rote Akzente haben sich immer durch meine Wohnungen gezogen, das braune Regal von Axel Kufus passt farblich gut dazu. Das habe ich gekauft, weil es schön und praktisch ist. Und sollte wieder einmal ein Umzug stattfinden, ist es beliebig veränderbar. Bücher, die ich schon lange besitze, sind übrigens unten eingeordnet, die neueren links und oben. Ich bin eher ordentlich, mache gerne Listen und habe für alles Mögliche einen Ordner, damit ich nicht durcheinanderkomme oder etwas vergesse. Gleichzeitig ist das Zimmer mit dem Regal mein zentraler Arbeitsplatz, es war von Anfang an ein Ort, an dem ich ungestört sein kann und wo auch mein Iggy nicht reinkommt. Im Spiel nennen wir das Zimmer das "Turbasland", ein fernes exotisches Land, in das zu reisen extrem gefährlich ist.

Früher habe ich nie Bilder aufgehängt, denn mit Bildern ist das nicht so einfach. Ich schätze sie als Kunstwerke und bin in meiner Familie auch mit der Vorstellung aufgewachsen, dass ein Bild kein Dekor-Gegenstand, sondern eine Seelenäußerung ist. Deshalb fällt es mir auch schwer, welche aufzuhängen.

Ich mag Bilder eben nicht nur an die Wand hängen, weil ich die Farbe schön finde. Die Bilder meiner Mutter aber, ich habe drei von ihr über die Wohnung verteilt aufgehängt, mag ich, weil sie zwar Seelenäußerungen sind, mich aber nicht bedrängen. Sie haben etwas Verschlossenes. In meinen Filmen ist es ähnlich wie bei Bildern oft so, dass die Wohnungen und Räume, in denen sich die Personen bewegen, sehr gestaltet, weniger zufällig und alltäglich wirken - eben weil ihre Gestaltung einer übergeordneten Psychologie folgt. Der Raum ist also auch eine Art Seelenäußerung. Gerade eben habe ich meinen Film Amour Fou beendet, nach zwei intensiven Jahren steht mir jetzt ein ruhigeres bevor. Darauf freue ich mich, mein Sohn war ja noch ganz klein, als ich mit dem Film begonnen habe. So langsam haben wir also auch Zeit, unseren Balkon zu nutzen. Der Blick geht von dort auf ein eher hässliches Wohnhaus, aber zum Glück auch in einen sehr schönen, begrünten Innenhof." (DER STANDARD, Open Haus, 30.4.2014)

Das beste Stück

"Der Stuhl (siehe links, Anm.) hat meinem Vater gehört, es gibt da auch noch einen zweiten. Die Stühle sind 1960er-Jahre-Stücke aus Leder und standen früher in seinem Atelier oder im Büro. Als mein Vater gestorben ist, hat sich jeder von uns ein paar Stücke aussuchen dürfen. Ich habe die beiden Stühle ausgewählt, weil sie mich einerseits an ihn erinnern und ich sie außerdem schön finde. Die beiden sind treue Begleiter durch alle vier Wohnungen, in denen ich seither gewohnt habe."

Jessica Hausner wurde 1972 in Wien geboren, studierte Filmregie und realisierte zahlreiche Filmprojekte. Ihr Langfilmdebüt "Lovely Rita" wurde 2001 in der renommierten Reihe "Un Certain Regard" in Cannes gezeigt. Vor kurzem hat die Tochter des Malers Rudolf Hausner und der Malerin Anne Hausner ihren Film "Amour Fou" fertiggestellt, der diesen Mai ebenfalls in Cannes präsentiert wird.

  • Mit ihrem Lebensgefährten, dem gemeinsamen Sohn Iggy und einem Au-pair-Mädchen wohnt Jessica Hausner auf circa 90 Quadratmetern. Im Gegensatz zu früher bevorzugt die Filmemacherin mittlerweile eine gemütliche Atmosphäre. Besonders wichtig ist ihr das Arbeits- und Wohnzimmer.
    foto: lisi specht

    Mit ihrem Lebensgefährten, dem gemeinsamen Sohn Iggy und einem Au-pair-Mädchen wohnt Jessica Hausner auf circa 90 Quadratmetern. Im Gegensatz zu früher bevorzugt die Filmemacherin mittlerweile eine gemütliche Atmosphäre. Besonders wichtig ist ihr das Arbeits- und Wohnzimmer.

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