ÖIAG und America Movil feilschen um Syndikatsvertrag

22. April 2014, 13:34
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ÖIAG-Aufsichtsrat tagt am Mittwoch ab 9.00 Uhr - Arbeiterkammer-Juristen prüfen für Arbeitnehmervertreter Vertragstext -

Die Staatsholding ÖIAG und der Telekomkonzern America Movil des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim feilschen bis zuletzt um einen Syndikatsvertrag. Mit einem solchen wollen die beiden Großaktionäre der börsennotierten Telekom Austria ihre Anteile bündeln und Entscheidungen künftig gemeinsam treffen. Die ÖIAG-Aufsichtsrat tagt morgen, Mittwoch, ab 9.00 Uhr.

Wie lange die morgige Aufsichtsratssitzung in der ÖIAG dauern wird, sei nicht abschätzbar, hieß es aus Verhandlerkreisen. Sobald der Aufsichtsrat den Vertrag absegnet, wollen ÖIAG-Chef Rudolf Kemler und America Movil unterschreiben. Das könnte noch am selben Tag oder "zeitnah" sein. Spannend ist vor allem, wer künftig den Aufsichtsratsvorsitzenden stellt - ÖIAG oder America Movil.

"Absicherung"

Die ÖIAG forderte zuletzt "die langfristige Absicherung des Headquarters der Telekom Austria Group in Österreich sowie einen wirksamen Schutz der ÖIAG vor Verwässerung ihres Aktienpaketes unter 25 Prozent plus einer Aktie". Derzeit hält die ÖIAG 28,4 Prozent. America Movil ist mit 26,8 Prozent beteiligt. Bei einer seit längerem kolportierten Kapitalerhöhung könnten die Mexikaner an der Staatsholding vorbeiziehen, allerdings müsste - abhängig von der Höhe der Kapitalerhöhung - auch die ÖIAG in die Tasche greifen, um die Sperrminorität halten zu können.

Laut APA-Informationen liegt bereits ein ausformulierter, umfangreicher Vertragstext vor, den die Arbeitnehmervertreter derzeit von Juristen der Arbeiterkammer prüfen lassen. Unterdessen heißt es aber auch, dass die Verhandler und Anwälte von America Movil und ÖIAG "bis zur letzten Sekunde" um den Syndikatsvertrag feilschen würden. Ein Insider dazu: Es handle sich um einen fließenden Übergang von den Verhandlungen zum Vertrag. Inhaltlich wollte sich gegenüber der APA niemand dazu äußern. Der angestrebte Pakt steht unter Zeitdruck, weil er bis zum 23. April unterschrieben sein muss - damit es nicht einer einjährigen Sperre aufgrund des Übernahmegesetzes kommt.

"Todesspirale"

Nicht ganz zufällig tauchte vergangene Woche mitten im Finale der Syndikatsverhandlungen ein bereits im Jänner verfasstes Schreiben von Ronny Pecik auf. Der Slim-Vertraute und Vizeaufsichtsratschef der Telekom Austria warnte vor einer "Todesspirale", das Unternehmen brauche Geld von außen. America Movil hatte mehrmals erklärt, mit einer Kapitalerhöhung Geld in die Telekom einzuschießen.

Zuletzt hatte aber der Chef der Arbeiterkammer Wien, Werner Muhm, deutlich Kritik an einem Syndikat mit den Mexikanern geübt. Die Arbeitnehmervertreter im ÖIAG-Aufsichtsrat drohten sogar, der Aufsichtsratssitzung am 23. April fernbleiben zu wollen. Damit wäre das Gremium nicht beschlussfähig. Ob die Gewerkschafter ihre Drohung tatsächlich wahrmachen wollen, ist nicht bekannt. Dass der Syndikatsvertrag scheitert, gilt aber als unwahrscheinlich. (APA, 22.4. 2014)

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