Weitaus mehr Schülerinnen in Nigeria entführt als angenommen

22. April 2014, 08:00
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Eltern sprechen von 234 verschleppten Mädchen, bislang war man von 129 ausgegangen

Abuja - Die Zahl der im Nordosten Nigerias verschleppten Mädchen liegt offenbar deutlich höher als bislang angenommen. Nach Angaben von Eltern werden noch 234 Mädchen vermisst. Bislang hatten die Behörden von 129 Entführten gesprochen, von denen sich nach offiziellen Angaben 52 befreien konnten. Die radikalislamische Sekte Boko Haram soll hinter der Tat stecken.

Die Mädchen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren waren in der Nacht zum 15. April aus einer Schule in dem Ort Chibok im Bundesstaat Borno verschleppt worden. Die radikalislamische Sekte Boko Haram soll hinter der Tat stecken. Die Extremisten missbrauchen Frauen häufig als Sexsklavinnen.  

Militär und Sicherheitskräfte suchen weiterhin weiter fieberhaft nach den verschleppten Jugendlichen. Das Militär dehnte die Suche am Osterwochenende Medienberichten zufolge auch auf die Grenzregionen zu den Nachbarländern Kamerun, Tschad und Niger aus. Es wird befürchtet, dass die Täter die Jugendlichen aus dem Sambisa Forest, wo sie sich verschanzt halten sollen, in andere Länder schmuggeln wollen.

Am Ostersonntag griff die Sekte eine weitere Schule an, dieses Mal in Yana im Bundesstaat Bauchi. Dabei sei ein fünfjähriges Mädchen getötet worden, sagte Polizeisprecher Haruna Mohammed der Nachrichtenagentur NAN. Die Täter hätten unter anderem mehrere Häuser auf dem Schulgelände sowie den Schulbus in Brand gesetzt. Jedoch seien alle Schüler in Sicherheit, fügte Mohammed hinzu.

Sektenchef: "Kleiner Zwischenfall"

Die radikal-islamische Organisation Boko Haram kämpft seit Jahren für einen islamischen Staat bzw. die Einführung von islamischem Recht (Scharia) und verübt regelmäßig Anschläge. Ganz klar formuliert die Sekte, gegen wen sich ihre "Aktivitäten" richten: Übersetzt heißt "Boko" (Lokalsprache Hausa) wörtlich "Buch" und steht für Wissen und Bildung im westlichen Sinn, und "Haram" (Arabisch) für alles "Unislamische" und Verbotene. Gegründet wurde Boko Haram vor etwa zwölf Jahren. Anschläge gibt es allerdings erst seit Anfang 2010. Dabei kamen allein seit Beginn des Jahres 2014 mindestens 1.500 Menschen ums Leben. Die Regierung, die bereits im Mai vergangenen Jahres den Ausnahmezustand über die Bundesstaaten Borno, Yobe und Adamawa verhängt hatte, scheint bisher hilflos in ihrem Kampf gegen die Gewalt.

Die Gruppe bekannte sich mittlerweile auch zu dem verheerenden Anschlag auf einen Busbahnhof in der Hauptstadt Abuja, bei dem vor einer Woche vermutlich über 200 Menschen ums Leben gekommen waren. In einem Video, das der französischen Nachrichtenagentur AFP übermittelt wurde, nannte Sektenchef Abubakar Shekau das Attentat einen "kleinen Zwischenfall". Er kündigte weitere Anschläge an. Zu den entführten Schülerinnen äußerte er sich nicht. (APA/Reuters, 22.4.2014)

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