Hitze aus dem Hintergrund

Gespräch22. April 2014, 06:48
posten

Der Jazzschlagzeuger Joris Dudli im Gespräch

Wien - Schön, so man Ewigkeiten für eine CD-Produktion hat. Passt alles - wie bei der Soul Jazz Alliance -, reicht gerade einmal ein Tag, so etwas wie True Paradise einzuspielen und für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert zu werden. "Wir haben in New York aufgenommen, hatten Glück, dass alle Musiker vor Ort waren. Dennoch musste es schnell gehen", sagt Schlagzeuger Joris Dudli, der mit Altsaxofonist Vincent Herring die Band leitet. "Es gab zwei Stunden Proben, vier Stunden Aufnahmen, zwölf Stunden gingen fürs Editieren und Mischen drauf. Auch das Shooting fand da statt. Zwei Musiker kamen in Shorts, sie wussten gar nicht, dass auch Fotos gemacht würden."

Souliger Jazz muss schon gehörige Hitze entfalten, muss etwas Dringliches vermitteln, um nicht hinter die Errungenschaften des Stils zurückzufallen. Hier ist es der Fall, auch dank des Orgelsounds, den Jared Gold beisteuert, und der Kompositionen von Dudli, der einst aus der Schweiz nach Österreich kam. "In letzter Zeit habe ich nur komponiert, wenn ich einen Groove oder eine Melodie im Kopf hatte. Mich spricht das Einfache an. Bei diesen Musikern weiß ich ja, dass Komplexität während des Spiels passiert. Das Einfache hat aber Grenzen, sonst könnte ich Pop machen."

In seinen Anfängen, zu jener Zeit, als er Studiomusiker und der Jazz noch nicht so nah war, hat Dudli auch dieses Feld beackert. Unter anderen ist er auf Ambros' Es lebe der Zentralfriedhof zu hören. Dudli landete aber auch beim Vienna Art Orchestra; und schließlich ermunterte ihn Trompeter Art Farmer, nach New York zu gehen. "Ich wollte da immer hin, quasi an die Quelle. Man merkt aber schnell, dass man nur einer von vielen ist und reichlich zu arbeiten hat. Es gab da auch Grottenschlechtes, das kann man sich gar nicht vorstellen! An der Spitze waren jedoch die eigenen Vorbilder. Da stand man etwa in Farmers Telefonbuch neben Leuten wie Al Foster!"

Es wäre im Rückblick eine gute wie auch harte Zeit gewesen, so Dudli. Irgendwann galt es jedenfalls zurückzukommen, sein Leben zu ordnen. Kapazunder wie Joe Zawinul und Fritz Pauer konnte man auch hierzulande treffen. Und wenn ein Projekt wie True Paradise aufgeht, gibt es ohnedies zu reisen. Nach Tagen im Jazzland bespielte man Europa (von Schweden bis Griechenland), und die Sache geht weiter, so Dudli erfreut - Auftritte helfen ja der Intensität der Band. Im November gastiert man denn auch wieder im Londoner Ronnie Scott's Club. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 22.4.2014)

  • Schlagzeuger Joris Dudli.
    foto: jazzland

    Schlagzeuger Joris Dudli.

Share if you care.