Polizisten bewarfen Wasserwerfer mit Eiern: Frontscheibe beschädigt

22. April 2014, 06:21
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33 Tonnen schweres Gefährt der deutschen Polizei stammt aus österreichischer Produktion - Unternehmen: "Kratzer in der Scheibe"

Wien/Erfurt - Ein Wasserwerfer aus der Produktion der börsenotierten österreichischen Feuerwehrschmiede Rosenbauer hat unter dem Beschuss mit Wurfgeschossen wie Eiern, Tennisbällen und Plastikflaschen gelitten. Deutsche Medien berichten von "immensen" Schäden am Sicherheitsglas, die bei einem Übungseinsatz der Thüringer Polizei entstanden seien, und insgesamt von einer "peinlichen Panne".

"33-Tonnen-Wasserwerfer durch Eier beschädigt", titelte die "Welt" online. Im Sender MDR und auf "Spiegel online" war von "drei faustgroßen Schäden an der Polycarbonat-Panzerverglasung des Einsatzfahrzeuges" die Rede. Rosenbauer wurde vom deutschen Innenministerium zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Unternehmenssprecherin beschwichtigt

Eine Unternehmenssprecherin hat am Vormittag beschwichtigt. "Da gibt es keine faustgroßen Löcher. Es sind Kratzer", sagte Rosenbauer-Sprecherin Gerda Königstorfer auf Anfrage. Werde ein Kratzer im Sichtfeld festgestellt, dann nehme der TÜV das nicht ab, ganz gleich wie bei einem privaten Pkw. Sobald ein Kratzer in der Windschutzscheibe sei, müsse die ausgetauscht werden. "Das ist kein Thema von unserer Seite", meint man bei Rosenbauer. "Test nicht bestanden", urteilen indes deutsche Medien.

In einer Übung sollten die Polizeiführer des deutschen Bundeslandes Thüringen von den Fähigkeiten des neuen Wasserwerfers "WaWe 10" überzeugt werden. Dafür hätten Beamte der Bereitschaftspolizei die Rolle von gewaltbereiten Demonstranten übernommen und in einer Kiesgrube den 33-Tonnen-Koloss mit Wurfgeschossen attackiert. Statt echter Steine, Bierflaschen oder gar Molotow-Cocktails, wie sie bei Demonstrationen oder nach Fußballspielen gegen die Polizei geschleudert würden, hätten die Polizisten allerdings "neben Eiern auch Tennisbälle und halb gefüllte PET-Flaschen" verwendet, zitierte MDR die Thüringer Landespolizeidirektion.

Bei Rosenbauer rätselt man nicht nur über den Schadensbericht, sondern auch über die Berichte über den Schaden: "Der Kunde wendet sich normalerweise an uns und geht nicht an die Medien raus".

78 Einsatzfahrzeuge bestellt

Wasserwerfer dieses Typs werden in Deutschland schon in Hamburg und auch in Berlin eingesetzt. Wie MDR unter Berufung auf das Thüringer Innenministerium berichtet, ist ein solcher Schaden bundesweit aber noch nicht vorgekommen, eine entsprechende Schadensmeldung sei bereits an das deutsche Bundesinnenministerium geschickt worden.

Kunde Rosenbauers ist in dem Fall die Bundespolizei Deutschland. Nach Angaben der Unternehmens-Sprecherin wurden die Spezialfahrzeuge gemeinsam mit der deutschen Bundespolizei konzipiert und entwickelt. Für jedes einzelne Fahrzeug habe es eine Abnahme gegeben. "Von uns ist alles ordnungsgemäß geliefert worden", heißt es beim Unternehmen.

Insgesamt hat die deutsche Polizei bei Rosenbauer 78 Wasserwerfer dieses Modells zum Stückpreis von 900.000 Euro bestellt. Von diesem Rahmenauftrag aus 2009 werden jährlich Lieferungen abgerufen.

Deutsches Ministerium will Schadensursache prüfen

Nach Problemen mit dem Panzerglas an einem neuen Polizei-Wasserwerfer hat sich das deutsche Innenministerium eingeschaltet. "Die Einzelheiten zum Hergang und Schaden werden derzeit mit allen Beteiligten geklärt", sagte Sprecherin Pamela Müller-Niese am Dienstag."Bisher sind derartige Schäden an den neuen WaWe 10 nicht aufgetreten." (APA, 22.4.2014)

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