Die NSA hat eine neue Mission: Bessere PR

21. April 2014, 14:25
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Twitter, Presse-Kit und Transparenz – ein Geheimdienst versucht, sein Image aufzupolieren

Die neue Marschrichtung kommt von ganz oben: "Das einzige, was die NSA braucht, ist bessere PR", so der neue NSA-Chef Michael Rogers Mitte März vor dem US-Kongress. Ein Befund, der auch von seinem Stellvertreter Richard Ledgett geteilt wird. "Man kann Privatsphäre nicht ohne 'PR' buchstabieren", erläuterte dieser bei einer Veranstaltung.

"Schlecht erklärt"

Die große Lehre, die der US-Militärgeheimdienst aus den Snowden-Enthüllungen ziehen dürfte, sei also, dass man lediglich schlecht erklärt habe, warum man eigentlich so viel überwache, analysiert Forbes - hätte man bereits im Vorfeld mehr informiert und erklärt, wäre die Welt von den veröffentlichten Dokumenten nicht so schockiert gewesen.

Offizieller Twitter-Account

Tatsächlich hat sich das Kommunikationsverhalten der NSA seit Beginn der Snowden-Affäre vergangenen Juni konstant modifiziert: Machten anfangs noch Fake-Accounts auf Twitter die Runde, ist die NSA mittlerweile offiziell auf dem Kurzmitteilungsdienst vertreten. Und nicht nur das: Nachdem man sich seit dem Beitritt im Dezember 2013 auf eher weniger aussagekräftige Tweets konzentriert hatte, äußerte sich die NSA im Zuge der Heartbleed-Affäre erstmals öffentlichkeitswirksam zu einer aktuellen Entwicklung.

Heartbleed-Statement

"Statement: Die NSA wusste nicht von dem kürzlich entdeckten Heartbleed-Bug Bescheid, ehe dieser öffentlich gemacht wurde", lautet der Tweet, der eine Kehrtwende markiert, da nicht nur eine substanzielle Mitteilung erstmals auf Twitter veröffentlicht wird, sondern auch Missionsinhalte angesprochen werden.

Presse-Kit

Der neue PR-Sinn in der NSA manifestierte sich auch in einem Presse-Kit, das vor einem Monat an unzählige US-Medien versandt wurde. Mashable hat beispielsweise ausführlich über die merkwürdige Aussendung berichtet, die eine dickere Broschüre und mehrere Flyer beinhaltet. Darin ist etwa zu lesen: "Cybersecurity ist ein Team-Sport", oder: "Wie die NSA Menschenleben rettet."

Zuerst habe die Mashable-Redaktion an einen Witz geglaubt, nach kurzer Zeit jedoch festgestellt, dass es sich um ein offizielles Pressekit handle. Bislang sind die Bemühungen der NSA also nur von mäßigem Erfolg gekrönt: Häme von Journalisten und eine mickrige Follower-Zahl auf Twitter zeugen davon, dass hier noch mehr Anstrengung nötig ist. (fsc, derStandard.at, 21.4.2014)

  • Bislang nur 5500 Follower: Der Twitter-Account der NSA sorget noch nicht für Furore
    foto: screenshot/twitter

    Bislang nur 5500 Follower: Der Twitter-Account der NSA sorget noch nicht für Furore

  • Mashable zeigt das Presse-Kit, für das die NSA viel Häme geerntet hat
    foto: faksimilie/mashable

    Mashable zeigt das Presse-Kit, für das die NSA viel Häme geerntet hat

  • Eine dicke Broschüre und sechs Flyer seien enthalten, berichtet Mashable
    foto: faksimilie/mashable

    Eine dicke Broschüre und sechs Flyer seien enthalten, berichtet Mashable

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