Südsudan: Massaker mit hunderten Toten in Öl-Stadt Bentiu

21. April 2014, 16:52
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Offenbar Massaker an Zivilisten nach Einnahme von Öl-Stadt Bentiu durch Rebellen

Juba - Im Krisenland Südsudan gibt es anscheinend erneut schwere Kämpfe zwischen Regierungssoldaten und Rebellen. Aufständische hätten bei der Einnahme der Stadt Bentiu "hunderte" Menschen getötet, wie die Vereinten Nationen am Montag mitteilten. Rebellenverbände selbst erklärten indes, sie hätten auch die strategisch wichtige Stadt Mayom im ölreichen Bundesstaat Unity erobert.

Alleine in einer Moschee in der Öl-Stadt Bentiu seien vergangene Woche "mehr als 200 Zivilisten getötet und über 400 verletzt" worden, teilte die UNO-Friedensmission im Südsudan (UNMISS) in einer Aussendung mit. Die Kämpfer seien angestachelt worden, Zivilisten aus einem anderen Stamm zu töten, die sich in einer Moschee, einer Kirche, einer verlassenen UNO-Einrichtung und einem Krankenhaus befunden hätten. UNMISS verurteilte die Ermordung von Männern, Frauen und Kindern aufs Schärfste.

Schwelender Machtkampf

Die Rebellen sind großteils Anhänger des ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar, der Rivale des amtierenden Präsidenten Salva Kiir. Ein zwischen ihnen seit langem schwelender Machtkampf war Mitte Dezember eskaliert. Die beiden Politiker gehören unterschiedlichen Ethnien (Salva jener der Dinka, Machar ist Nuer) an, deren Verhältnis untereinander seit Jahren gespannt ist. Seither kommt es immer wieder zu schwerer, auch ethnisch motivierter Gewalt. Die Ölfelder des bitterarmen Landes stehen dabei im Mittelpunkt. Alle Friedensbemühungen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba sind bisher gescheitert.

"Unsere Truppen haben die Streitkräfte von Präsident Salva Kiir heute Früh geschlagen und Mayom und die Umgebung der Stadt ganz unter ihre Kontrolle gebracht", zitierte die Zeitung "Sudan Tribune" am Montag Machars Sprecher James Gatdet Dak. "Dies ist eine strategische Region, die direkt an der Grenze zum Bundesstaat Warrap liegt", fügte er hinzu. Armeesprecher Philip Aguer dementierte die Angaben. "Unsere Soldaten haben die volle Kontrolle über den Bezirk Mayom", sagte er. Medien zufolge wäre es ein schwerer Schlag für die Regierung, falls die Rebellen nun in die Region Warrap einmarschieren sollten. Der Bundesstaat ist die Heimat von Präsident Kiir. (APA, 21.4.2014)

  • Eine Familie im Südsudan auf der Flucht.
    foto: reuters/abdallah

    Eine Familie im Südsudan auf der Flucht.

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