Nach Fährunglück: Mehr als hundert Todesopfer bestätigt

22. April 2014, 06:58
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Aufzeichnung des Funkverkehrs vor dem Fährunglück offenbart Chaos und Panik an Bord

Jindo - Nach dem Schiffsunglück in Südkorea ist die Zahl der bestätigen Todesopfer auf mehr als hundert gestiegen. Dies teilte am Dienstag die Küstenwache des Landes mit. Fast doppelt so viele Menschen würden aber noch vermisst.

Die offizielle Totenzahl liege nun bei 104, erklärte die Küstenwache. Vermisst würden zugleich noch 198 Passagiere und Besatzungsmitglieder. Die Fähre "Sewol" war am Mittwoch vergangener Woche auf dem Weg zur Insel Jeju mit 476 Menschen an Bord gekentert und später gesunken, gerettet werden konnten 174 Insassen.

"Wie eine Mordtat"

In Südkorea hat Präsidentin Park Geun Hye indes schwerste Vorwürfe gegen führende Besatzungsmitglieder der Unglücksfähre erhoben. "Das Verhalten des Kapitäns und mancher Besatzungsmitglieder ist für den gesunden Menschenverstand unfassbar, und es war wie eine Mordtat, die nicht toleriert werden darf", sagte Park der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge am Montag vor Mitarbeitern ihres Stabs.

Der 69-jährige Kapitän und sechs weitere Crew-Mitglieder befinden sich derzeit wegen des Verdachts auf gravierende Pflichtverletzungen in Haft. Darunter befinden sich die Dritte Offizierin, die zum Zeitpunkt des Unglücks am Steuer war, sowie zwei Erste Offiziere, ein Zweiter Offizier und ein Chefmaschinist. Augenzeugen zufolge haben der Kapitän und mehrere Crew-Mitglieder vor den Passagieren das sinkende Schiff verlassen.

"Lassen Sie sie wenigstens einen Rettungsring tragen"

Die Aufzeichnung des Funkverkehrs zwischen der verunglückten südkoreanischen Fähre "Sewol" und der örtlichen Schifffahrtskontrolle haben Chaos und Panik auf der Brücke des Schiffes offenbart. Die am Sonntag veröffentlichten Audio-Aufzeichnungen zeigten, dass die Besatzung zögerte, das Schiff zu evakuieren, als sich dieses gefährlich zur Seite neigte.

"Wir neigen uns. Wir sind kurz davor runter zu gehen", sagte ein nicht identifiziertes Besatzungsmitglied der Fähre, die am Mittwochmorgen mit 42 Menschen an Bord gesunken war. "Es neigt sich so sehr, wir können uns kaum bewegen."

An anderer Stelle sagte das Besatzungsmitglied, dass die Sicherheitsanweisungen nicht an die Passagiere durchgegeben werden konnten, da das Lautsprechersystem nicht funktionierte. Der Vertreter der Schifffahrtskontrolle erwiderte, sie sollten dennoch die Passagiere anweisen, ihre Rettungswesten und möglichst viele Lagen Kleidung anzuziehen.

"Werden die Passagiere sofort nach der Evakuierung gerettet werden?", fragte daraufhin das Besatzungsmitglied. "Lassen Sie sie wenigstens einen Rettungsring tragen und lassen Sie sie schwimmen. Jetzt!", drängte der Vertreter. Kritiker werfen der Besatzung vor, die Evakuierung des Schiffes zu spät angeordnet zu haben. Demnach hätten womöglich zahlreiche Menschenleben gerettet werden können, wenn die Passagiere bereits angewiesen worden wären, das Schiff zu verlassen, als sich dieses zu neigen begann. (Reuters/APA, 21.4.2014)

  • Die Bergung der Verunglückten dauert an. 238 Menschen gelten weiterhin als vermisst.
    foto: ap/young-joon

    Die Bergung der Verunglückten dauert an. 238 Menschen gelten weiterhin als vermisst.

  • Hunderte Angehörige warten immer noch auf eine Nachricht von ihren Verwandten.
    foto: apa/epa/heyon-kyun

    Hunderte Angehörige warten immer noch auf eine Nachricht von ihren Verwandten.

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