Rubin "Hurricane" Carter 1937 - 2014

21. April 2014, 13:02
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Am Ostersonntag starb jener große Kämpfer, für den sich Bob Dylan, Muhammad Ali, Denzel Washington und viele andere in die Schlacht geworfen haben

Toronto/Wien - Nein, ein großer Boxer war Rubin Carter, der am Ostersonntag in Toronto 77-jährig an Krebs gestorben ist, wohl nicht - seinem Kampfnamen "Hurricane" zum Trotz. Eine weit über seine Klasse - das Mittelgewicht - hinausweisende Gestalt war Carter gleichwohl, weshalb sich selbst die Kleinen, die deutlich größere Boxer waren, vor ihm verbeugten. "Wir haben heute einen großen Mann verloren, er war ein Symbol für das Unrecht als Folge des Rassismus", twitterte etwa Mike Tyson. Der Dank des Ohrenbeißers galt jenem Kampf, den Rubin "Hurricane" Carter nicht im Ring ausgefochten hat - seinen einzigen WM-Kampf verlor er 1964 nach Punkten -, sondern im wirklichen Leben.

Carter wurde 1966 wegen Mordes zu "dreimal lebenslänglich" verurteilt. Er und ein Freund waren für schuldig befunden worden, drei Weiße in einer Bar erschossen zu haben. Die Geschworenen waren Weiße, die Belastungszeugen Lügner, das Urteil demnach ein Justizirrtum, der erst 1985 korrigiert worden ist.

Bob Dylan hatte den Einsitzenden als Opfer des US-weit grassierenden Rassismus besungen. "While Rubin sits like Buddha in a ten-foot cell / an innocent man in a living hell", seien die wahren Schuldigen "free to drink martinis an watch the sun rise".

"That's the story of the Hurricane", sang Dylan, "but it wont't be over till they clear his name." Das taten sie spät, 1985 eben. 1999 wurde die "story of the hurricane" mit Denzel Washington verfilmt. Der zweifach oscargekrönte Hauptdarsteller rief nun dem Kämpfer nach: "Er war die pure Liebe. Man hat ihm 7300 Tage seines Lebens gestohlen, trotzdem hat er viel Liebe empfunden." Und daran ist wohl vieles wahr. Der mittelmäßige Boxer war ein grandioser Fighter gegen strukturelle Ungerechtigkeit. Da war ihm kein linker Haken - seine einzige scharfe Ring-Waffe - zu schade.

Am 21. Februar erschien in den New York Daily News seinTestament: "Ich richte meinen letzten Wunsch an die, die befugt sind zu handeln. Gebt David McCallum, der seit 1985 im Gefängnis sitzt, ein neues Verfahren." McCallum sitzt seit 1985, als Carter rehabilitiert wurde, wegen Mordes, aber dieser ist "sicher, wenn die neuen Fakten auf dem Tisch liegen, muss er freigelassen werden".

Seit 1985 kämpft eine von Carter gegründete Organisation um die Wiederaufnahme in justizirrtumsverdächtigen Fällen. Sein Mitstreiter, der Anwalt James Lockyer, sagt: "Wir haben mehr als 20 Personen aus dem Gefängnis geholt." George Foreman meinte: "Ein trauriger Tag. Er war ein großer Champion."

Foreman - das erlebte Hurricane in der Zelle -, verlor seinen Schwergewichtstitel 1974 im "Rumble in the Jungle" in Zaire an Muhammad Ali, der seinen WM-Gürtel aus politischen Gründen verloren hatte. Wegen Wehrdienstverweigerung ("Kein Vietcong nannte mich je Nigger!") wurde er verurteilt. Als er wieder boxen durfte, tat er das auch für Hurricane. Und wie! (wei, DER STANDARD, 22.4.2014)

  • Bob Dylan: "Hurricane"

  • Carter bei seinem Kampf gegen den Italiener Fabio Bettini.
    foto: ap

    Carter bei seinem Kampf gegen den Italiener Fabio Bettini.

  • Carter im Jahr 2003.
    foto: apa/epa/hunt

    Carter im Jahr 2003.

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