Steiermark, Salzburg und Kärnten benötigen mehr Spitalsärzte

19. April 2014, 12:45
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Länder reagieren unterschiedlich auf von EU geforderte Reduzierung der Arbeitszeit der Spitalsärzte

Die Bundesländer als größte Spitalserhalter reagieren unterschiedlich auf die von der EU geforderte Reduzierung der Arbeitszeit der Spitalsärzte von derzeit bis zu 72 Stunden auf maximal 48 Stunden pro Woche. Die Steiermark, Salzburg und Kärnten melden bereits einen Zusatzbedarf von hunderten Ärzten an, der Millionenkosten verursachen würde. Niederösterreich will ohne weitere Ärzte auskommen.

Zusätzliches Personal

In der Steiermark würden bei Aufrechterhaltung des derzeitigen Standards zwischen 470 und 650 Ärzte zusätzlich zu den derzeit 2.500 angestellten benötigt. Dies teilte ein Sprecher der Steirischen Krankenanstalten Gesellschaft KAGes der APA mit, der sich auf unternehmenseigene Berechnungen beruft. Die Kosten dafür bezifferte er mit 25 bis 30 Mio. Euro pro Jahr.

Im Bundesland Salzburg würden durch die Senkung der Arbeitszeit zusätzlich rund 100 Stellen benötigt. Die Kosten dafür würden sich auf etwas mehr als sechs Millionen Euro belaufen, hieß es aus dem Büro des für die Spitäler zuständigen LHStv. Christian Stöckl (ÖVP). Alleine für die Salzburger Landeskliniken würde die Neuregelung der Arbeitszeit 57 Vollzeitstellen und Mehrkosten in der Höhe von rund vier Mio. Euro jährlich bedeuten.

Die Kärntner Landeskrankenanstalten Betriebsgesellschaft (Kabeg) müsste nach eigenen Angaben etwa 75 Ärzten mehr einstellen, um die kürzere Arbeitszeit auszugleichen. "Das würde geschätzte Mehrkosten von rund vier Millionen Euro im Jahr bedeuten", erklärte Kabeg-Vorstand Arnold Gabriel auf Anfrage der APA. Zum Kabeg-Verband zählen neben dem Klinikum Klagenfurt das LKH Wolfsberg, das LKH Villach, das LKH Laas sowie die Gailtal-Klinik in Hermagor.

Niederösterreich will ohne Zusatzpersonal auskommen

Niederösterreich glaubt hingegen, ohne zusätzliches Personal auszukommen. In den NÖ Landeskliniken werde bereits größtenteils die von der EU geforderte maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden eingehalten, ein Mehrbedarf an Ärzten sei daher nicht gegeben, hieß es in einer Stellungnahme der Landeskliniken-Holding. Nur ein Drittel der Ärzte verrichte darüber hinaus ihren Dienst. Diese mehr geleisteten Stunden befänden sich allerdings innerhalb von Betriebsvereinbarungen und seien daher gesetzeskonform. Im Durchschnitt gesehen würden die 48 Stunden von den insgesamt 3.700 beschäftigten Ärzten sogar unterschritten werden. Mit der Novelle zum NÖ-Spitalärztegesetz aus dem Jahr 2012 sei bereits der Grundstein gelegt worden, um EU-konform zu handeln.

Noch keine konkrete Ansage will man in Wien treffen. Zuerst müssten inhaltliche Reformen angegangen werden, dann könne man erst über Zahlen reden, hieß es im Büro von Stadträtin Sonja Wehsely (SPÖ). Nur die EU-Richtlinie umzusetzen sei nicht ausreichend. Bund, Länder und Ärztekammer müssten hier vielmehr einen gemeinsamen inhaltlichen Anspruch haben. "Bei den neuen Ärztearbeitszeiten geht es daher nicht nur um Höchstgrenzen, sondern auch darum, wie man innerhalb der Arbeitszeiten ein möglichst produktives Arbeiten ermöglicht und Leerläufe vermeidet. Die Dienstzeitmodelle der Zukunft müssen daher flexibel sein und die aktuelle Entwicklung der Medizin widerspiegeln, wie zum Beispiel den Ausbau von Tageskliniken. Erst nach diesen inhaltlichen Festlegungen ist es sinnvollerweise möglich, die Personalressourcen und Budgets entsprechend zu adaptieren."

Tirol will "differenzierte Evaluierung"

Auch der Tiroler Krankenanstaltenbetreiber Tilak kann die Auswirkungen einer Arbeitszeitverkürzung zum gegebenem Zeitpunkt "nicht seriös" einschätzen. Dafür sei eine differenzierte Evaluierung notwendig. Zudem wolle man auch die Ergebnisse der vom Sozialministerium eingesetzten Arbeitsgruppe abwarten, erklärte Tilak-Personaldirektor Markus Schwab. Kleine Abteilungen bzw. kleine Spitäler würden wahrscheinlich mehr Probleme bekommen als große, in denen leichter und flexibler disponiert werden könne, erwartet er. "Im Durchschnitt erreichen wir aber in etwa das, was gefordert wird."

Das Büro des oberösterreichischen Landeshauptmannes und Gesundheitsreferenten Josef Pühringer (ÖVP) teilte mit, dass die Auswirkungen noch eruiert würden. Deshalb könne man dazu im Augenblick keine seriöse Aussage machen. Konkrete Zahlen im Hinblick auf den zusätzlichen Bedarf an Spitalsärzten konnte man auch beim burgenländischen Spitalsträger KRAGES nicht nennen. Und auch in Vorarlberg wollte man zuerst die Ergebnisse der vom Sozialministerium eingesetzten Arbeitsgruppe abwarten. (APA, 19.4.2014)

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