Wenn das Nest zum Fest zum Trauma wird

18. April 2014, 19:24
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Spekulationen über eine eigentlich seltsame Gepflogenheit und die tendenzielle Benachteiligung von Stadtkindern

Falls es nicht allgemein bekannt sein sollte: Hasen bauen a) keine Nester und legen b) keine Eier. Nach diesem kleinen Beitrag zur Hebung der Volksbildung stellt sich also die Frage, welcher biologisch Herausgeforderte eigentlich das Osternest erfunden hat.

Die Antwort ist: Man weiß es nicht. Ziemlich sicher scheint, dass der Brauch, Eier zu verstecken und sie von Kindern suchen zu lassen, seit dem 17. Jahrhundert aus dem französisch-deutschen Grenzgebiet bekannt ist.

Möglicherweise sind dabei zu viele ungefundene Eier in der Natur verrottet, und man kam auf die Idee, es dem Nachwuchs leichter zu machen und die Gaben an wenigeren Verstecken zu konzentrieren. Oder man kam auf den naheliegenden Konnex zwischen Nest und Eiern.

Traumata

Der Brauch kann durchaus grausam sein. Eine Redaktionskollegin erinnert sich beispielsweise fast mit Tränen in den Augen daran, dass ihre um ein Jahr ältere Schwester stets mehr Nester und Eier gefunden hat. Traumatisierend kann auch die Erfahrung sein, dass man das letzte Nest nicht um die Burg findet und schließlich seinen Vater um Hinweise bitten muss.

Auch Stadtkinder sind tendenziell eher benachteiligt: Denn in der Wohnung sind ganze Nester deutlich schwieriger zu verstecken und somit leichter zu finden als in der freien Natur.

Die Möglichkeiten für die Ausgestaltung der Eieraufbewahrungsdekoration sind jedenfalls vielfältig. Die Standardvariante sind natürlich die braunen Stroh- oder grünen Kunststoffnester. Wem die Eier nicht reichen, der kann sich mittlerweile auch oblatenbasiertes essbares Ostergras kaufen. Oder gleich eines backen.

In diesem Sinne

Für die Auspolsterung gibt es auch richtiges Ostergras - das in Wahrheit Weizen ist. Für heuer ist es aber zu spät: Es muss rund drei Wochen vor dem Fest in die Erde, um rechtzeitig fertig zu sein.

Für den Handel sind nicht nur die Nester, sondern vor allem deren Inhalt ein Grund zum Frohlocken. 56 Millionen Euro geben die Wienerinnen und Wiener heuer dafür aus, sagt die Wirtschaftskammer. Ein Umsatzplus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Noch eine gute Nachricht für Ostösterreicher: Die Gefahr einer Verflüssigung von zu gut versteckten Ostereiern ist dieses Jahr eher gering. Zwar sollen die Temperaturen an die 20 Grad erreichen, aber das Wetter soll wechselhaft und nicht sehr sonnig sein. In diesem Sinne: frohe Ostern! (Michael Möseneder, 19./20.4.2014)

  • Wann und wo das Osternest entstanden ist, ist unbekannt.
    foto: cora müller

    Wann und wo das Osternest entstanden ist, ist unbekannt.

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