ÖVP-Programmprozess: Zurück in den wilden 70ern

Kommentar18. April 2014, 18:02
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Schön, dass den ÖVP-Denkern irgendwie dämmert, manches könnte nicht mehr ganz zeitgemäß sein

Ganz schön viel los auf Facebook, Twitter & Co zum Thema "ÖVP-Evolution" : Einer empfahl "Revolution statt Evolution", eine meinte etwas humorlos, so viel Erneuerung sei gar nicht nötig, ein simpler Hypo-Untersuchungsausschuss genüge schon. Ein anderer sorgte sich, die Evolution könnte ihre Kinder fressen. Böse soziale Netzwerker, arme ÖVP! Da plagt man sich als Partei mit einem Programmerneuerungsprozess ab und erntet dafür nur Spott und Hohn. Echt gemein.

Also bleiben wir ernst: Es ist schön, dass die ÖVP darüber nachdenkt, wo sie im 21. Jahrhundert mit ihren Ansichten über die Welt steht - und künftig stehen will. Noch schöner ist, dass den Parteidenkern irgendwie dämmert, manches (wenn auch weniges) könnte nicht mehr ganz zeitgemäß sein. Am schönsten aber ist, dass man nun eine "Evolutionsbewegung entfachen" will. Besser geht's kaum, dagegen stinkt sogar die Entfesselung der Wirtschaft ab.

Die ÖVP denkt sich das so: Ein bisschen an dieser Schraube drehen, ein wenig an jener - und schon ist man am Gipfel- und Endpunkt der politischen Moderne angekommen: bei Bruno Kreisky in den wilden 1970er-Jahren.

Selbstredend will man dabei weder die Bündeproblematik noch den oft gar nicht gedeihlichen Einfluss der schwarzen Länderfürsten hinterfragen - es ist ja "so vieles gut, auf dem man aufbauen kann". Aber hallo: Daraus wird bestimmt eine riesige "bürgerliche Bewegung". (Petra Stuiber, DER STANDARD, 19.4.2014)

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