Die rastlosen Ratlosen aus Maranello

18. April 2014, 17:26
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Der GP von China in Schanghai wird mit einiger Sicherheit ebenfalls zur Mercedes-Beute. Und Ferrari dürfte nur eine untergeordnete Rolle spielen

Schanghai - Er wisse nicht viel über den Neuen, sagte Fernando Alonso und lächelte dabei sarkastisch. Nur dass er Autos in Nordamerika und China verkauft habe. Der zweimalige spanische Formel-1-Weltmeister meinte Marco Mattiacci, seinen neuen Rennleiter bei Ferrari. Der 43-jährige Römer soll die Scuderia, die den Saisonbeginn völlig verhaut hat und nach drei Rennen ohne Podestplatz in der Konstrukteurswertung nur an fünfter Stelle liegt, endlich in die Spur bringen.

Dass Mattiacci aus dem Marketing kommt und über keinerlei Rennsporterfahrung verfügt, scheint Alonso zu irritieren. Aber schon dessen Vorgänger Stefano Domenicali (48), der am vergangenen Montag abgelöst worden war, kam aus der Wirtschaft, um sich dann der Administration des Teams zu widmen. Das hat der Mann aus Imola immerhin sieben Jahre lang mehr oder weniger erfolgreich getan.

Dass Mattiacci ebenso lange Ferraris Nummer eins an den Strecken ist, gilt als unwahrscheinlich. Präsident Luca Cordero di Montezemolo soll sich nach den großen Zeiten unmittelbar nach der Jahrtausendwende zurücksehnen, in denen Teamchef Ross Brawn Michael Schumacher zu fünf Weltmeistertitel für Ferrari en suite geführt hatte.

Der Engländer, der im November seinen 60. Geburtstag feiert, soll seinerseits den vorzeitigen Ruhestand nach dem Ausscheiden bei Mercedes vor einem halben Jahr schon satthaben.

Mattiacci bleibt also nicht viel Zeit, um zu überzeugen. Der Grand Prix von China am Ostersonntag in Schanghai verspricht aber kaum Besserung, zumal die Strecke mit den längsten Geraden im Zirkus dem dominierenden Mercedes-Team und dessen perfekt schnurrenden Motoren entgegenkommt. Ferrari ist dagegen vor allem im Bezug auf die Leistung seiner Antriebsaggregate im Hintertreffen. Zuletzt in Bahrain waren die Roten sogar gegen Force India chancenlos.

Mattiacci gelobte, "150 Prozent Einsatz" zu zeigen. "Ich muss beweisen, dass ich würdig bin, dieses Team zu führen." Zusätzliche Motorenleistung kann er aber nicht aus dem Hut zaubern. Dass er selbst in der Garage nicht auf seine Sonnenbrille verzichten will, trug ihm Spott und Hohn ein. Mattiacci hat allerdings eine nachvollziehbare Erklärung: "Ich habe in den vergangenen Tagen kaum geschlafen."

Quasi mit offenem Visier kommentierte Kimi Räikkönen, 2007 der bisher letzte Ferrari-Weltmeister und nach seiner Rückkehr noch schlechter als Alonso unterwegs, den Wechsel an der Spitze der Scuderia. Mattiacci werde "auch kein Wunder schaffen", sagte der Finne. Und: "Wir müssen überall zulegen. Motorleistung, Aerodynamik, überall." (sid, lü, DER STANDARD, 19.4.2014)

  • Herr Mattiacci hat eine fast unlösbare Aufgabe ausgefasst.
    foto: epa/diego azubel

    Herr Mattiacci hat eine fast unlösbare Aufgabe ausgefasst.

  • Fernando Alonso hat derzeit kein Siegerauto. Die langen Geraden in Schanghai sind geradezu Gift für den Ferrari des 32-jährigen Spaniers, der im Vorjahr hier siegte.
    foto: reuters/carlos barria

    Fernando Alonso hat derzeit kein Siegerauto. Die langen Geraden in Schanghai sind geradezu Gift für den Ferrari des 32-jährigen Spaniers, der im Vorjahr hier siegte.

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