Umwegrentabilität dank Tesla

Kolumne21. April 2014, 16:43
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Unterhaltung für Träger goldener Kreditkarten: Probesitzen im Tesla Model S

Modeschauen sind auch nicht mehr, was sie einmal waren. Cachil etwa, eine Boutiquenkette für gehobene Ansprüche (bei der unsereins primär gustiert, und das bevorzugt im Ausverkauf), lädt alljährlich im Frühling zu einer Vorschau mit Einkaufsmöglichkeit in die Provinz. Im Outlet nächst der früheren Weberei in Pottschach im Süden Niederösterreichs wird dann in entspannter Atmosphäre sündhaft teure Damenoberbekleidung präsentiert - und die p. t. Kundschaft - no na - umgarnt und zum Erwerb animiert.

Und vor dem Haus? Da stehen dann jede Menge dicke Autos samt dazupassenden Herren, die mit ihren mutmaßlich dicken Brieftaschen und goldenen Kreditkarten mehr oder weniger gelangweilt auf und ab spazieren (und eine nach der anderen rauchen). Letztere werden wohl bald ausgestorben sein, es braucht also ein neues Spielzeug.

Seide, Kaschmir, Tesla S

Für die wartenden Gesellen gab es heuer ein besonderes Zuckerl: Sie durften eine Runde mit dem Tesla S Probe fahren. Wie viele Herren sich von der zum Kultauto stilisierten E-Limo um schlanke 70.000 Euro anlocken ließen, ist nicht überliefert. Dass sich von der Aussicht auf Testsitzen in einem mutmaßlich überschätzten Elektroauto heutzutage tatsächlich noch Männer anlocken lassen (erst recht in diese verblichene Industriezone), muss verwundern. Zudem läuft der Anbieter Gefahr, dass die Damen mehr aufs Auto abfahren denn auf Seide und Kaschmir.

Der Aufwand dürfte dennoch lohnen. Wer einen Wagen um eine Million Schilling anhimmelt, dem erscheint ein simples Shirt um 200 Euro vermutlich billig. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 18.4.2014)

  • Da sitzt er, der Mann mit der mutmaßlich dicken Brieftasche. (Symbolbild)
    foto: wolf-dieter grabner

    Da sitzt er, der Mann mit der mutmaßlich dicken Brieftasche. (Symbolbild)

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