Kleinvieh der Gattung "Gebühr"

18. April 2014, 17:22
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Ob verkauft oder nicht, als Vermittler verdienen Auktionshäuser stets mit, anhand zweier aktueller Beispiele erläutert

Obgleich in Vielfalt und Umfang reich, blieb die vergangene Woche im Dorotheum abgehaltene erste Auktionswoche des Jahres aus wirtschaftlicher Perspektive eher hinter den Erwartungen zurück. Im Zuge der Vergleichssause 2013 hatte man 14,47 Millionen Euro eingesammelt, aktuell schrumpfte der Wert um 29 Prozent auf 10,28 Millionen. Die Tagesumsätze lagen insgesamt unter jenen des Vorjahres, besonders aber die Verkaufsquoten. Zur Abwechslung sei unter die Lupe genommen, wie viel das Dorotheum branchenüblich verdient: sowohl am Verkauf als auch am Nichtverkauf.

Den höchsten Zuschlag der Woche erteilte man in der Sparte Alte Meister, konkret für ein in der Werkstatt Peter Paul Rubens entstandenes Motiv der Heiligen Familie bei einem Meistbot von 400.000 Euro. Inklusive Aufgeld muss der Käufer nun 503.030 Euro an das Dorotheum überweisen. Daraus ergibt sich für das Auktionshaus in einem ersten Schritt ein Gewinn von 103.030 Euro. Dazu kommen entsprechend der gängigen Tarife - und sofern nicht Sonderkonditionen vereinbart wurden - weitere 9,6 Prozent ("ab einem Meistbot von 10.000 Euro"), also theoretisch 38.400 Euro (exkl. Foto- und Transportkosten), die dem Einbringer vom Meistbot abgezogen werden. Im Idealfall summierten sich die Einnahmen für das Dorotheum allein beim Starlot der Woche demnach theoretisch auf 141.430 Euro.

Sicheres Trostpflaster

Nun zu den Verkaufsquoten, die im internationalen Vergleich, überspitzt formuliert, auf den ersten Blicke eine Parade der Tristesse repräsentieren: 43,4 Prozent bei Alten Meistern, 55,5 Prozent bei Gemälden des 19. Jahrhunderts, bei Antiquitäten wiederum 42 (Antiquitäten, Möbel) bzw. 39 Prozent (Glas, Porzellan).

Exklusive Nachverkauf (nach der Auktion) wanderten 55 Prozent der in den genannten Sparten offerierten Positionen ins Lager zurück. Und wiewohl das Dorotheum dem Geschäftszweck entsprechend die Ware lieber vermittelt hätte, ein Trostpflaster ist dem Unternehmen branchentypisch gewiss: Man verdient daran ebenso, wenn auch deutlich weniger.

Denn Einbringer müssen Gebühren berappen, selbst wenn sich kein Käufer für ihr Kunstwerk oder Objekt fand. Etwa Fotokosten bei Katalogauktionen, die zwar einer separaten Vereinbarung unterliegen, sich jedoch auf zumindest 75 Euro (1/4 Seite) belaufen. Laut "Gebührentarif für den Versteigerungsbetrieb" (September 2012) fallen jedenfalls als "Ausbietungsgebühr" bezeichnete Kosten in der Höhe von 2,4 Prozent des Rufpreises an, für die das Auktionshaus Leistung in Form von Katalogisierung (Titel des Objektes, Angaben zum Künstler, Größenangabe) bzw. Expertisierung (Literaturangaben, Vergleichsbeispiele etc.) erbrachte.

Am Beispiel eines musealen Tisches kalkuliert, der den Katalog der Sparte Antiquitäten zierte und bei einem Schätzwert von 45.000 bis 60.000 Euro scheiterte: Der Rufpreis für den ehemals für seine Majestät den deutschen Kaiser Wilhelm II. um 1899 angefertigte Konsoltisch lag bei der Hälfte der oberen Taxe (30.000 Euro), womit ein Betrag von 720 Euro fällig ist.

Sofern der Einbringer auf einen Mindestverkaufspreis über dem Rufpreis bestand, also beispielsweise 45.000 Euro, kommt noch eine so genannte Limitgebühr hinzu. Diese beträgt weitere vier Prozent des Limits (1800 Euro) und kostet den potenziellen Verkäufer die Stippvisite seines Möbels (exkl. Transport- u. Fotokosten) in Wien folglich 2520 Euro.

Theoretisch, denn abgesehen von sporadisch einliefernden Privatklienten, bekommen Stammkunden, Großeinbringer oder Händler in der Praxis sowieso Sonderkonditionen. Einerlei, denn auch "Kleinvieh" macht in Summe bekanntlich "Mist". (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 19./20./21.4.2014)

  • Unverkaufter Konsoltisch: Ohne Sonderkonditionen fallen für den Einbringer Gebühren von etwa 2520 Euro an.
    foto: dorotheum

    Unverkaufter Konsoltisch: Ohne Sonderkonditionen fallen für den Einbringer Gebühren von etwa 2520 Euro an.

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