Grams: Ein "Google" für Schusswaffen und Heroin

18. April 2014, 09:49
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Eine neue Suchmaschine durchsucht mehrere Märkte im Deep Web, die über den Tor-Browser erreichbar sind

Der Anonymisierungsdienst Tor und das Deep Web sind nicht nur für ihren (relativen) Schutz vor Überwachung und Zensur bekannt: Auch Kriminelle nutzen das "versteckte" Netz für illegale Machenschaften. Bekannt wurde beispielsweise die Silk Road, auf der Drogen und Waffen gehandelt wurden – auch in Österreich. Bezahlt wird auf den Märkten mit Bitcoins, durch das Grundprinzip von Tor wird vermeintlich Anonymität bewahrt.

Verstecktes Web

Die Märkte sind teilweise allerdings so gut versteckt, dass Käufer und Verkäufer nicht mehr zueinanderfinden. Deswegen hatte ein Programmierer die Idee, eine Suchmaschine für das Deep Web zu entwerfen.

Eigentlich ein Widerspruch, da sich das Deep Web gerade dadurch auszeichnet, dass es nicht von Suchmaschinen erfasst wird. Allerdings durchsucht Grams, so der Name des Projekts, nicht das ganze Tor-Netzwerk, sondern fasst vielmehr das Angebot auf verschiedenen Märkten zusammen.

Drogen, Schusswaffen, Kinderpornografie

Das Potpourri der angebotenen Waren ist dabei reichhaltig und umfasst nahezu alles, was als unmoralisch oder illegal eingestuft wird: Drogen und Schusswaffen können auf Plätzen wie der SilkRoad2 und Agora ebenso erworben werden wie gefälschte Pässe, gestohlene Kreditkartendaten und Kinderpornografie. Grams zeigt nach einer Suchanfrage verschiedene Produkte an, inklusive Ort des Verkäufers und deren Preis.

Google-Ads

In weiterer Zukunft will der Service, so dessen anonym bleibender Erfinder gegenüber Wired, sogar ein Google-Adwords-ähnliches Programm anbieten, mit dem Verkäufer ihre Waren besser platzieren können.

Ohnehin orientiere er sich stark an der größten Suchmaschine der Welt, so "Gramsadmin", der auf Reddit aktiv ist. Ein weiteres Feature seiner Grams-Suche: Sie könne nachvollziehen, wohin Seiten gewandert sind, die nach einer DDoS-Attacke offline waren. Außerdem könnten bald Profile von Verkäufern auf Grams erscheinen, sodass Nutzer feststellen können, wie vertrauenswürdig diese sind.

Strafverfolgung auf Tor aktiv

Grams ist beispielsweise über den Tor-Browser unter grams7enufi7jmdl.onion erreichbar. Zwar kann man mit Tor die NSA durchaus in ihrer Spionageabsicht ärgern, empfehlenswert ist ein Einkauf auf illegalen Marktplätzen dennoch nicht. So ermitteln Strafverfolgungsbehörden wie das FBI mittlerweile verdeckt im Tor-Netzwerk.

Auch die österreichische Polizei tätigte schon mehrere Zugriffe wegen Drogenhandels im Deep Web. Der Knackpunkt daran: Die Ware muss irgendwie physisch zum Käufer gelangen. Der letzte Fahndungserfolg gelang der niederösterreichischen Polizei dadurch, dass sie Postämter observierte, in denen zwei St. Pöltner ihre Drogenpakete aufgaben. (Fabian Schmid, derStandard.at, 18.4.2014)

  • Grams orientiert sich nicht nur optisch stark an Google.
    foto: screenshot/wired

    Grams orientiert sich nicht nur optisch stark an Google.

  • Das Angebot umfasst Drogen ebenso wie gefälschte Pässe.
    foto: screenshot/wired

    Das Angebot umfasst Drogen ebenso wie gefälschte Pässe.

  • Auch Schusswaffen werden offeriert.
    foto: screenshot/wired

    Auch Schusswaffen werden offeriert.

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