Bettlerpolitik in Salzburg: Betreuung bringt Sicherheit

Kommentar17. April 2014, 17:41
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Abgesehen davon, dass Bettelverbote nicht rechtskonform sind, sie bringen auch wenig

Vor wenigen Wochen brannten am Stadtrand von Salzburg zwei notdürftige Lagerplätze von Bettlergruppen. Die Brandstifter waren vermutlich erboste Anrainer oder Rechtsradikale. Der Verfassungsschutz ermittelt. Nun muss die Stadtverwaltung die unter den Stadtbrücken nächtigenden Menschen vertreiben. Zu groß ist die Gefahr, dass einer der dort unter kaum beschreibbaren Umständen Hausenden in die Salzach stürzt und ertrinkt.

Beide Beispiele zeigen, wie groß der Druck zu handeln inzwischen geworden ist. Waren es lange Zeit etwa 100 Notreisende - überwiegend aus Rumänien -, so ist ihre Zahl inzwischen auf 160 angewachsen. Keiner von ihnen ist gerne hier, sie alle werden von der Not in ihrer Heimat zum Betteln gezwungen.

Abgesehen davon, dass Bettelverbote nicht rechtskonform sind, sie bringen auch wenig. Die Caritas hat genügend Erfahrung: Sie warnt vor dem Abdrängen der Menschen in die Illegalität und Kriminalität. Erst eine halbwegs menschenwürdige Grundversorgung in betreuten Unterkünften bringt die erwünschte Kontrolle und Sicherheit.

Die Betreuung und das so gewonnene Vertrauen könnten auch ein Ansatz für die vielfach geforderte Begrenzung der Anzahl bettelnder Menschen sein. Nur mit der Hilfe der Bettler selbst lässt sich über die informellen Kanäle in und zwischen den Großfamilien in den Herkunftsländern verbreiten, dass aktuell keine Plätze mehr frei sind. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 18.4.2014)

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