Bergbauern fürchten um ihre Existenz

17. April 2014, 17:17
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Falsche Förderung: Eine Vorarlberger Initiative ortet ein Ost-West-Gefälle und fordert die gerechte Umverteilung der Agrarbudgets

Bludenz - Von den Bergen bläst ein rauer Westwind Richtung Wien. Denn Bergbauern, die Kleinbetriebe in Extremlagen bewirtschaften, begehren auf. Mit einem Mahnfeuer auf dem Ludescherberg (Bezirk Bludenz) machten sie am Mittwochabend auf ihre prekäre Situation aufmerksam.

Die Landeshauptleute der westlichen Bundesländer sollten endlich in Wien klarmachen, dass falsche Förderpolitik die Berglandwirtschaft in ihrer Existenz bedrohe, fordert die Initiative "Bauernstammtisch.at". Das Ost-West-Gefälle bei Förderungen und Einkommen sei offensichtlich, sagt Bauernsprecher Jürgen Burtscher. Mehr als die Hälfte der Agrarbudgets landen in Nieder- und Oberösterreich. Vorarlberg, Salzburg und Tirol zusammen bekommen nur 18 Prozent.

Das Jahresbrutto einer Arbeitskraft auf dem Bergbauernhof liege mit 9607 Euro weit unter dem Durchschnittseinkommen eines unselbstständig Erwerbstätigen, ohne Nebenerwerb könnten Bergbauern längst nicht mehr leben, sagt Burtscher. Er selbst betreibt mit seiner Frau auf dem Ludescherberg hoch über dem Walgau Milchwirtschaft, bietet Urlaub auf dem Bauernhof an, ist Holzfäller und im Winter am Arlberg Skiführer. "Da bleibt kaum Zeit für die Kinder, und Freizeit kennen wir nicht", verweist Burtscher auf die bei Bergbauern übliche 100-Stunden-Woche.

"Die Jungen machen das nicht mehr mit", fürchtet Othmar Schneider, Bergbauer in Marul im Großen Walsertal, um den Nachwuchs. "Dann kann sich die Politik anschauen, was aus den alpinen Landschaften wird, wenn alles verbuscht, weil keiner mehr unsere Arbeit macht. Dann werden die Lawinen kommen."

Die Initiative fordert eine faire Umverteilung zugunsten der Bergbauern. Lockerlassen wird sie nicht, weitere Protestmaßnahmen sind bereits geplant. (jub, DER STANDARD, 18.4.2014)

  • Das Ost-West-Gefälle bei Förderungen und Einkommen sehen manche als schwere Bürde.
    foto: reuters/buholzer

    Das Ost-West-Gefälle bei Förderungen und Einkommen sehen manche als schwere Bürde.

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