"Wien ist die Stadt meines Überlebens"

Porträt18. April 2014, 05:30
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Ania aus Krakau hat als Kind in Wien eine schwere Krankheit besiegt. Jahre später kehrte sie nach Österreich zurück

Ania Buchacz kam als kleines Kind mit ihrer Mutter aus ihrer Geburtsstadt Krakau nach Wien zu ihrem Stiefvater, der schon seit einiger Zeit in der Stadt jobbte. Anfänglich war es für die drei schwierig: fremde Sprache, neue Leute, viel Arbeit. Dann gründete die Mutter eine kleine Firma für Handel mit Baumaterialien, und das bedeutete: noch mehr Arbeit und viele Fahrten zwischen Österreich und Polen. Aber das Geschäft ging gut, und die Familie konnte finanziell Fuß fassen, eine Wohnung in Wien erwerben und Reisen unternehmen.

Die Diagnose

Dann kam die Schreckensnachricht: Bei der elfjährigen Ania wurde Weichmuskelkrebs diagnostiziert – eine seltene Krebsart, für die es damals in vielen Ländern einschließlich Polen noch keine wirksame Therapie gab. Im St.-Anna-Kinderspital in Wien bekam Ania doch eine entsprechende Behandlung und konnte sich erholen. Die Freude währte aber nur kurz, zwei Jahre danach kam der Rückfall, und der Kampf begann von vorne. Neben ihren Eltern waren es wieder die Ärzte und die Psychologen des St.-Anna-Kinderspitals, die sie dabei unterstützten.

Das Überleben und die Sorge für die anderen

Ania Buchacz überlebte, und das Leben ging weiter: Im Rahmen eines Austauschprogramms ging sie nach Texas in die USA, wo sie die Highschool abschloss. Anschließend kehrte sie nach Polen zurück, um an einer Krakauer Privatuniversität Marketing und Management zu studieren, später auch die neue Studienrichtung Europäistik. Nach dem Studium gründete sie in Polen eine gemeinnützige Organisation für psychosoziale Unterstützung von Kindern nach einer Krebserkrankung. "Aus eigener Erfahrung weiß ich", meint die Betriebswirtin, "dass mit dem Sieg über die Krankheit der Kampf noch nicht gewonnen ist. Die jungen Patienten brauchen nach ihrer Genesung Hilfe, um wieder ins Leben zu finden und sich bewusst den Konsequenzen zu stellen, die Chemotherapie und starke Medikamente mit sich bringen."

Die Stadt ihres Überlebens habe sie aber nicht losgelassen, und sie kam immer wieder nach Wien, nicht nur um ihre Eltern zu besuchen, die immer noch hier leben, sondern auch, um nach Möglichkeiten zu suchen, sich für die österreichische Kinderkrebshilfe zu engagieren. Als sie vor zehn Jahren zusammen mit anderen Krebsüberlebenden das Projekt "Survivors" am St.-Anna-Kinderspital begründete, gab es für Buchacz keinen Zweifel mehr: "Ich wollte in Wien bleiben."

Lieblingsplätze der Stadt

Sie hatte das Gefühl der Sicherheit, das sie in Wien empfindet, schon länger vermisst, ebenso ihr geliebtes Café Museum, wo sie gerne Zeit verbringt. Ansonsten spaziert sie am liebsten mit ihrem Hund Soprano den Donaukanal entlang, von der Urania stadtauswärts. Bei schönem Wetter breitet sie eine Decke auf der Wiese aus und genießt es, sich mitten in der Millionenstadt in das Grün zu versenken.

Vor kurzem entschied sich Ania, ihre Stelle als Sales-Developer bei Meinl aufzugeben, um sich ausschließlich dem "Survivors"-Projekt zu widmen. Sie möchte das Projekt zu einer zukunftsträchtigen Organisation ausbauen. Durch eine neunmonatige Ausbildung sollen Menschen, die als Kinder oder Jugendliche den Krebs besiegt haben, darauf vorbereitet werden, junge Krebspatienten und -patientinnen zu unterstützen. "Wer weiß besser als wir, was sie durchmachen? Wir selbst haben doch das Gleiche durchgemacht", sagt Buchacz. (Valia Kraleva, daStandard.at, 18.4.2014)

  • In der kleinen Wiener Galerie "Krim", die Freunden von ihr gehört, sitzt Ania Buchacz gern zwischen zahlreichen Bildern vorwiegend russischer und ukrainischer Maler der klassischen Moderne und zwischen Ikonen aus unterschiedlichen Epochen. "Dieser Raum gibt mir auf eigenartige Art und Weise Hoffnung und Mut", sagt sie. "Hier vergesse ich die Schwierigkeiten und tanke Energie, um unbeirrt weiterzumachen."
    foto: valia kraleva

    In der kleinen Wiener Galerie "Krim", die Freunden von ihr gehört, sitzt Ania Buchacz gern zwischen zahlreichen Bildern vorwiegend russischer und ukrainischer Maler der klassischen Moderne und zwischen Ikonen aus unterschiedlichen Epochen. "Dieser Raum gibt mir auf eigenartige Art und Weise Hoffnung und Mut", sagt sie. "Hier vergesse ich die Schwierigkeiten und tanke Energie, um unbeirrt weiterzumachen."

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