Unheiliges und Schlagerpunk

17. April 2014, 17:56
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Klubschiene "Erdbahnkreuzer" im Celeste, Auftritt der heimischen Band Wanda im Fluc

Es hat nichts mit katholischen Feiertagen zu tun, wenn sich das Celeste am heutigen Karfreitag den schattseitigen Klängen widmet. Eine gewisse Form der Leidensfähigkeit ist dort dennoch gefragt: Die neue Klubschiene mit dem schönen Namen "Erdbahnkreuzer" will sich fortan um Musik kümmern, die nicht ganz von dieser Welt ist. Sehr düster und tendenziell spinnert soll es dort klingen, lassen die Veranstalter wissen und lösen das Versprechen in Form von zwei Künstlerinnen aus Schweden ein, die gemäß dem Klubnamen auf künstlerischem Kollisionskurs unterwegs sind. Zum einen geht es die aus Uppsala stammende Medienkünstlerin Mc Mimsy a gret mit Hip-Hop an, der von Störgeräuschen ebenso lebt wie von einer Dringlichkeit im Vortrag und zu jedem Zeitpunkt zu verstehen gibt, dass es hier um das vielbeschworene Do-it-yourself geht. Zum anderen kümmert sich 9Djinn aus Malmö um die aberwitzige Verwurstung bekannter Chartsongs. Die junge Frau nimmt sich Stücken von Amy Winehouse, Miley Cyrus, Beyoncé, Toni Braxton oder Aaliyah an, drosselt deren Geschwindigkeit und lässt sie mitunter wie einen operngeschulten Nick Cave im Industrialfach klingen. Konservenmusik mit ähnlichem Einschlag verbreiten dort die DJs Alobot und Nino Stelzl. (18. 4., Celeste, 5., Hamburgerstraße 18. 21.00)

Keine Wiederauferstehung, dafür eine erste Geburt zelebriert die heimische Band Wanda am Ostersonntag im Fluc. Mit deutscher Zunge singt die fünfköpfige Formation forcierten Schlagerpunk mit allseits beliebten Alltagsbetrachtungen. Die zu feiernde Debütsingle fällt genau in dieses Zielgebiet, ihr Titel lautet Schickt mir die Post. Live präsentiert man derlei mit großer Euphorie, so als hätte man nichts zu verlieren, und das stimmt ja auch. An den Decks steht DJ Problembär, auf dessen Label Wanda veröffentlichen. (lux, DER STANDARD, 18.4.2014)

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