Von Jägern und Sammlern

17. April 2014, 17:50
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Samstag ist Feiertag für Plattensammler: Es ist Record Store Day. 14 heimische Shops machen mit, bieten Raritäten und Liveauftritte an

Ostern ist heuer nicht nur der wichtigste Feiertag der Katholiken, auch andere Gläubige erfreuen sich an einer Art Wiederauferstehungsfest: Plattensammler. Der Record Store Day fällt heuer auf den Ostersamstag. Halleluja.

Ins Leben gerufen hat den Record Store Day 2007 der US-amerikanische Plattenladenbesitzer Chris Brown. Er wollte dem schleichenden Tod dieser Geschäfte etwas entgegensetzen. Zumal gerade die Vinylscheiben sich seit Jahren eines neu erwachten Zuspruchs erfreuen, eine Wiederauferstehung erleben.

Seit 2007 ist an jedem dritten Samstag im April also Record Store Day. Diese Idee verbreitete sich schnell global, in Österreich sind heuer 14 privat betriebene Shops mit dabei, international sind es rund 3000. Sie und nur sie verkaufen heute extra für den Tag bereitgestellte, meist limitierte Vinylauflagen. Da sind lange Schlangen vor den Geschäften keine Seltenheit. Es empfiehlt sich ein Blick auf die Homepages der partizipierenden Läden, da viele schon früher als gewohnt öffnen.

Umsatzstärkster Tag

Für die Plattenläden bedeutet der Record Store Day mittlerweile meist den umsatzstärksten Tag des Jahres. Das ist schön und gut. Dennoch herrscht Unmut unter den Ladenbesitzern. Zumal sich die Musikindustrie durch die Hintertür dieses Tages zu bemächtigen scheint. Plötzlich tauchen selbsternannte Koordinatoren auf, ab dem nächsten Jahr sollen alle Läden bezahlen, wenn sie beim RSD mitmachen wollen. Keine Unsumme, aber es geht ums Prinzip. Da organisiert eine bedrohte Art ihr eigenes Überleben, und große Verlage ziehen daraus nicht nur Vorteile, sondern wollen plötzlich die Regeln festlegen.

Den Sammlern ist das wahrscheinlich egal. Sie erfreuen sich an Raritäten und intimen Konzerten in diversen Plattenläden. Im Wiener Recordbag gibt es ab 9.00 Uhr gratis Getränke, Fingerfood und Shows von Stuart Neville von der Indie-Band Judo Push (13.00) und dem Sänger der heimischen Punk-Veteranen Chuzpe, Robert Räudig (15.00).

Im Salzburger Musikladen treten um 14.00 Little Boy und um 15.00 The Tangerine Turnpike auf. Vor dem Wiener Rave Up gibt ab 17.30 Clara Luzia ein Konzert. Schirmherr des Tages ist heuer Chuck D. von Public Enemy, eine vollständige Teilnehmerliste gibt es hier: www.recordstoreday.com/Venues?country=Austria (Karl Fluch, DER STANDARD, 18.4.2014)

  • Beim jährlichen Record Store Day werden am Samstag Vinylauflagen in limitierter Zahl verkauft. Die Sammler jubilieren, die Shops auch, aber nicht uneingeschränkt
    foto: flu

    Beim jährlichen Record Store Day werden am Samstag Vinylauflagen in limitierter Zahl verkauft. Die Sammler jubilieren, die Shops auch, aber nicht uneingeschränkt

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