AHS-Direktoren sehen durch Kürzungen Schulautonomie in Gefahr

17. April 2014, 13:15
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Weniger Spielraum bei den Ressourcen durch Halbierung der Gruppen für Wahlpflichtfächer

Wien - Die von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) angekündigten Kürzungen an Schulen sind für den Sprecher der AHS-Direktoren, Wilhelm Zillner, eine "pädagogische Katastrophe". Die "eigentliche Keule" für die AHS sei allerdings, dass auch bei den Wahlpflichtfächern massiv gekürzt werden soll. Dadurch wäre gelebte Schulautonomie an vielen AHS nicht mehr möglich.

Der entsprechende Erlass, der bereits an die Landesschulräte gegangen ist, bringt eine Halbierung der maximal zulässigen Gruppenzahl für Wahlpflichtfächer an den einzelnen Schulen. Diese Höchstzahl beträgt im Moment das Vierfache der Anzahl der siebenten und achten Klassen einer Schule (also etwa bei zwei siebenten und zwei achten Klassen insgesamt 16 Gruppen) - künftig soll es nur mehr das Doppelte sein.

Bedrohte Schulschwerpunkte

Derzeit kann in der siebenten und achten Klasse in einem Wahlpflichtfach, das die Schüler zur Spezialisierung wählen müssen, schon ab fünf interessierten Schülern eine Gruppe eröffnet werden. Bisher wurden dabei laut Zillner bewusst Gruppen mit etwas mehr Schülern gebildet, damit ein Teil der für die Wahlpflichtfächer gedachten Ressourcen für schulautonome Schwerpunktsetzung (etwa in Sprachen, Sport oder für Labors) genutzt werden konnte. "Alle AHS haben durch dieses Volumen schulautonome Entwicklung gemacht", so Zillner. Wenn das Ministerium nun den Sparstift bei den Wahlpflichtfächern ansetze, sei eine solche Verschiebung von Ressourcen, die immer in Abstimmung mit Schüler-, Eltern- und Lehrervertretung passiere, künftig nicht mehr möglich, sagt der AHS-Direktorensprecher.

"Desaströse Folgen" erwartet Zillner sich auch davon, dass es mit kommendem Schuljahr in Deutsch und Mathematik an AHS in der neunten Schulstufe keine Klassenteilung mehr bei mehr als 31 Schülern geben wird. Die fünften Klassen der AHS-Langform sind aufgrund der dort kleineren Klassen laut Zillner zwar kaum betroffen, die ersten Klassen der Oberstufenrealgymnasien (ORG) hingegen wegen der dort großen Klassen massiv.

Gerade an den ORG werde die Abschaffung der Teilung daher desaströse Folgen haben, sagt Zillner. Immerhin stünden die Lehrer dort vor der Herausforderung, das Wissen der Schüler, die mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen an die neue Schule kämen, auf ein ähnliches Niveau zu bringen. Zillner befürchtet deshalb für die ORG wie auch für die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen einen Qualitätsverlust für die Schüler: "Die Förderung wird wegbrechen, die Drop-out-Quote wird wieder ansteigen." (APA, 17.4.2014)

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