Google veröffentlicht Android-Kamera-App mit Tiefeneffekt

17. April 2014, 09:26
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Frisches Interface, Lens-Blur-Modus mit verstellbarem Fokus, deutlich gesteigerte Photosphere-Qualität - Für Geräte ab Android 4.4

Es ist unzweifelhaft eine jener eigenen Apps, für die Google in den vergangenen Jahren am meisten Kritik abbekommen hat: die offizielle Android-Kamerasoftware. Bei Google scheint man auf diese Kritik gehört zu haben und hat nun eine vollkommen neu gestaltete Version der eigenen App veröffentlicht.

User Interface

Die erste große Änderung fällt umgehend auf: Das User-Interface wurde praktisch komplett neu gestaltet. Die Icons zum Wechsel zwischen den einzelnen Modi können jetzt über einen Swipe nach rechts aufgerufen werden. Die wichtigsten Einstellungen wie Blitz und HDR+-Modus sind über einen Menüknopf zu erreichen, weniger häufig verwendete Optionen wie jene zur Kameraauflösung sind hingegen in einen eigenen Einstellungsbildschirm gewandert.

Lens Blur

Die zentrale neue Funktion ist der "Lens Blur"-Modus. Damit lassen sich Bilder mit zusätzlichen Tiefeninformationen aufnehmen, ähnlich wie es vom HTC One (M8) bekannt ist. Im Gegensatz zur HTC-Lösung benötigt die Google-Kamera dafür aber keine eigene Hardware, es reicht aus, kurz nach dem Aufnehmen eines Fotos das Smartphone leicht nach oben zu bewegen. Technische Hintergründe dazu, wie das alles funktioniert, liefert Google in einem eigenen Blog-Post. Für die Nutzer bedeutet das jedenfalls, dass sie nicht nur Fotos mit einer Art Tiefenunschärfe, wie sie sonst von großen Digitalkameras bekannt ist, erstellen können, sondern auch, dass - ähnlich wie bei einer Lytro-Kamera - der Fokus-Punkt nachträglich angepasst werden kann.

Die damit erzielbare Bildqualität kann in einem kurzen Test durchaus überzeugen - und liefert zum Teil sogar bessere Ergebnisse als die HTC-Hardware/Software-Kombination. Einziger Nachteil: Die Fotoauflösung ist in diesem Modus deutlich begrenzt, im von Haus aus aktivierten Low-Quality-Modus auf 1.024 x 768 Pixel, optional sind aber auch 2.048 x 1.536 Pixel möglich, wobei dann die Berechnung der Fotos nach erfolgter Aufnahme deutlich länger dauert. Wer will, kann nachträglich auch festlegen, wie intensiv der Unschärfeeffekt sein soll.

Photosphere

Von der alten Kamera-App wurde der Photosphere-Modus übernommen, der 360-Grad-Aufnahmen à la Street View ermöglicht. Allerdings wurde dessen Qualität deutlich verbessert. Es können nun also Photospheres mit bis zu 50 Megapixel erstellt werden, bisher war dies auf 8 Megapixel beschränkt. Ähnliche Optimierungen gab es für den Panoramamodus, bei dem zudem jetzt mit anzuvisierenden Leitpunkten beim Gelingen einer Aufnahme geholfen wird.

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Mit einer weiteren Neuerung reagiert man auf eine verbreitete Kritik an der Kamera-App: Im Gegensatz zu früheren Versionen zeigt die Vorschau nun den vollständigen Bildausschnitt an, wie er schlussendlich auf dem Foto zu sehen sein wird. Bisher war die Vorschau beschnitten, um möglichst viel vom Bildschirm zu nutzen. Ebenfalls sehr nützlich: Bei der Erstellung von Videos warnt die Software jetzt, wenn das Smartphone im Hochformat gehalten wird.

Abgängig

Allerdings wird bestehenden Nutzern auch die eine oder andere Funktion abgehen: Während sich die manuelle Änderung der Belichtung noch nachträglich in den Kamera-Settings aktivieren lässt, fehlen Weißabgleich und Time-Lapse-Modus derzeit gänzlich. Wie Android Police in einer Analyse des Kamerapakets aufgespürt hat, dürfte Google diese aber in einem späteren Update nachreichen. Hinweise darauf finden sich jedenfalls bereits im Code. Auch die Möglichkeit, Photo Spheres als Live Wallpapers zu nutzen, und ein "Advanced Camera Modus" mit manuellen Einstellungen scheinen geplant zu sein.

Play Store

Mit der neuen Version unternimmt Google aber auch einen wichtigen Schritt in der Auslieferung seiner Software: Erstmals ist die Google Camera separat über den Play Store erhältlich. Zudem ist sie nicht länger auf Nexus-Geräte oder Google Play Editions (GPE) beschränkt, sondern läuft auch auf den Smartphones anderer Hersteller. Voraussetzung ist allerdings Android 4.4, wohl weil man die aktuellen Verbesserungen an der Hardware-Abstraktionsebene für die Kamera benötigt. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 17.4.2014)

  • Mit der Neugestaltung der Google Camera geht ein frisch gestaltetes User-Interface einher.
    foto: andreas proschofsky / derstandard.at

    Mit der Neugestaltung der Google Camera geht ein frisch gestaltetes User-Interface einher.

  • Der Lens Blur Mode liefert durchaus ansehnliche Ergebnisse.
    foto: andreas proschofsky / derstandard.at

    Der Lens Blur Mode liefert durchaus ansehnliche Ergebnisse.

  • Der Fokuspunkt lässt sich dabei nachträglich verändern.
    foto: andreas proschofsky / derstandard.at

    Der Fokuspunkt lässt sich dabei nachträglich verändern.

  • Auch die Intensität des Fokuseffekts kann eingestellt werden.
    foto: andreas proschofsky / derstandard.at

    Auch die Intensität des Fokuseffekts kann eingestellt werden.

  • In den Einstellungen können einige grundlegende Details festgelegt werden.
    foto: andreas proschofsky / derstandard.at

    In den Einstellungen können einige grundlegende Details festgelegt werden.

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