Mark Zuckerberg: "Whatsapp ist ein SMS-Ersatz"

17. April 2014, 12:28
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Der Facebook-Chef will auch auf Anwendungen setzen, die "nicht mit der Facebook-Identität" zusammenhängen

Mark Zuckerberg und sein soziales Netzwerk sahen sich in letzter Zeit einiger Kritik ausgesetzt: Facebook sei das neue Microsoft, hieß es da etwa, weil es lieber kleinere Unternehmen aufkaufte als selbst innovativ zu sein. Gleichzeitig wurden Eigenentwicklungen wie Graph Search oder Home bemängelt, da sie nicht richtig funktionierten oder wenig nutzerfreundlich seien.

Graph als Zukunftsprojekt

In einem Interview mit der New York Times hat der Facebook-Chef jetzt Stellung zu den Vorgängen genommen. "Facebook ist mehr als eine einzige Sache", erklärt er, weswegen man das Angebot für Mobilgeräte jetzt auftrenne und einzelne Apps veröffentliche. Der Hauptfokus liege aber klar auf den klassischen Funktionen des sozialen Netzwerks, Innovationen wie Graph Search stünden daher nicht unter Druck.

"Graph war wichtig als Produkt für Konsumenten, aber auch firmenintern", so Zuckerberg, "allerdings denke ich, dass es bis zu fünf Jahre dauert, bis es tatsächlich effektiv ist." Er kündigt an, dass der Fokus jetzt auf dem Durchsuchen von Statusmeldungen liegen wird. Weiters soll Graph Search für Mobilversionen weiterentwickelt werden.

Facebook Home war "riskantes Unterfangen"

Bei Facebook Home, dem Android-Launcher, war Zuckerberg klar, dass es sich um ein "riskanteres Unterfangen" handle, da die Anwendung sehr aktiv sei. Gefällt sie den Nutzern nicht, würden diese sie daher schnell deinstallieren. Aber, so Zuckerberg: "Man muss im Hinterkopf behalten, dass Smartphone-Nutzer durchschnittlich zwanzig Prozent der Nutzung auf Facebook verbringen." Deshalb spielen auch erfolgreiche Projekte wie Facebook Paper oder die Messenger-App keine entscheidende Rolle.

Whatsapp als SMS-Ersatz

Letzterer erfülle eine ganz andere Aufgabe als WhatsApp, erklärt Zuckerberg: "Messenger ist zum Chatten da, WhatsApp als SMS-Ersatz – diese Dinge klingen ähnlich, aber die Nuancen ergeben sehr unterschiedliche Märkte." Für ein Unternehmen wie Facebook sei es wichtig, Projekte in verschiedenen Märkten und Entwicklungsstadien zu besitzen. Daher kaufe man auch Start-Ups wie WhatsApp oder Instagram, vernachlässige aber Eigenprojekte nicht.

Anonymität: "Menschen wollen Beziehungen"

Zum Thema Anonymität, das in letzter Zeit durch Apps wie Secret oder Whisper wieder Aufmerksamkeit erreichte, meint Zuckerberg, dass "Privatsphäre" wichtiger sei: "Menschen wollen Beziehungen aufbauen – wenn jemand anonym ist, funktioniert das nicht."

Verständnis für Zielgruppe?

Am Schluss des Interviews wird Zuckerberg gefragt, ob er das Gefühl habe, sich noch in junge Menschen hineinversetzen zu können: Als er Facebook gründete, war er College-Student, jetzt ist er dreißig. Zuckerberg verweist als Antwort darauf, dass "nicht immer Teenager" entscheidend für den Erfolg einer Anwendung seien: "Pinterests erste Nutzer waren vor allem Frauen (...) Auch Twitter fiel nicht unbedingt durch junge Leute auf."

Und, etwas selbstbewusst: "Bei 1.2 Milliarden Nutzern ist es ohnehin sehr schwierig, sich in diese Zielgruppe hineinzuversetzen." (fsc, derStandard.at, 17.4.2014)

  • Facebook sei mehr als eine Sache, erklärt Mark Zuckerberg
    foto: reuters/galbraith

    Facebook sei mehr als eine Sache, erklärt Mark Zuckerberg

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