Hunderte falsche Abrechnungen bei Krankenkassen

16. April 2014, 19:10
237 Postings

Sozialversicherungen fordern Geld von Ärzten zurück

Wien - Sitzt der Gesundheitsschuh, den der Orthopäde angepasst hat, richtig? Ist der Zahn, den der Arzt laut seiner Abrechnung plombiert hat, überhaupt noch im Mund des Patienten? Das sind die Fragen, mit denen sich die Abteilungen für "Vertragspartnerkontrolle" in den Krankenkassen auseinandersetzen. Die Überprüfungen der Ärzte sind finanziell - und teilweise sogar strafrechtlich - spannender als bisher gedacht. Das geht aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage hervor, die der SPÖ-Abgeordnete Erwin Spindelberger an Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) gerichtet hat.

Oberösterreicher Spitzenreiter

Darin werden die Summen aufgelistet, die die Kassen an falschen Abrechnungen ausfindig gemacht haben. Spitzenreiter in dieser Disziplin ist die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse (OÖGKK). Fast 500.000 Euro hat die Kasse im Vorjahr von Ärzten zurückgefordert. Deren Sprecher Harald Schmadlbauer erklärte im Gespräch mit dem Standard, dabei werde einerseits die Verrechnung kontrolliert. Ein Beispiel: Die Kasse zahlt pro Tag bloß eine Physiotherapieeinheit für einen Bewohner eines Pflegeheims. Wird diese mehrmals in Rechnung gestellt, fordert die Kasse das Geld zurück. Andererseits überprüfe die Kasse die Qualität der erbrachten Leistungen: So werden Versicherte per Post von der OÖGKK dazu eingeladen, in einem Ambulatorium zum Beispiel frisch plombierte Zähne überprüfen zu lassen.

Schmadlbauer betont, längst nicht immer stecke hinter falschen Ärzteabrechnungen böse Absicht oder gar kriminelle Energie; vielmehr finde man im Zuge der Überprüfung oft heraus, dass sich ein Arzt einfach vertippt oder im Leistungskatalog vertan hat. In der Anfragebeantwortung aus dem Gesundheitsressort finden sich freilich auch Beispiele, die mehr als ein Lapsus sind. Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) etwa hat in drei Fällen Strafanzeige erstattet; ein "ehemaliger Vertragspartner" wird gar per internationalem Haftbefehl gesucht. Laut Kurier handelt es sich dabei um einen bekannten Internisten.

Insgesamt summierten sich die Rückforderungen bei der WGKK im Vorjahr auf über 300.000 Euro, in Niederösterreich waren es etwa 160.000 Euro. Dort ist außerdem ein Gerichtsverfahren gegen einen Orthopädietechniker anhängig, der Prothesen ohne vorherige Bewilligung der Krankenkasse abrechnen wollte.

Die Zahlen gibt es übrigens nicht flächendeckend für ganz Österreich - viele Kassen verweisen in der Anfragebeantwortung darauf, dass sie zu diesem Thema keine Statistik führen; überprüft werden die Abrechnungen aber überall. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 17.4.2014)

Share if you care.