Kleiner Räuber als Urahn von Riesen

17. April 2014, 11:52
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300 Millionen Jahre altes Fossil eines Eocasea martini weist auf einen evolutionären Trend hin, der bei den Landwirbeltieren gleich mehrfach auftrat

Toronto - Lange bevor die ersten Tiere das Land eroberten, waren die Pflanzen schon da - und bildeten seitdem eine potenzielle Nahrungsquelle von beträchtlichen Ausmaßen. Mehrmals unabhängig voneinander haben sich unter den Landwirbeltieren Gruppen großwüchsiger bis riesenhafter Pflanzenfresser entwickelt, die diese Ressource ausbeuteten.

Und stets stammten diese von kleinen fleischfressenden Urahnen ab: Noch vor den Dinosauriern gab es diese Entwicklung bereits bei den Caseidae, einer Teilgruppe der Synapsiden, von denen unter anderem auch die Säugetiere abstammen. Zu den pflanzenfressenden Caseidae zählten die Riesen ihres Zeitalters, des Perm - wie etwa der bis zu sechs Meter lange und über zwei Tonnen schwere Cotylorhynchus.

Der Ahne

Die Anfänge dieser Tiergruppe wurden nun in "Plos One" vorgestellt: Und zwar wurde in Kansas das Fossil einer Eocasea martini benannten Spezies entdeckt, die vor 300 Millionen Jahren am Ende des Karbon lebte. Gefunden wurden ein Teil des Schädels, ein Großteil der Wirbelsäule, Beckenknochen und ein Hinterbein. Das noch jugendliche Tier war etwa 20 Zentimeter lang und keine zwei Kilogramm schwer. Eine Untersuchung der Anatomie ergab zweierlei: Zum einen ist Eocasea zu den Caseidae zu zählen - zum zweiten war er, anders als seine Verwandten aus späterer Zeit, ein Fleischfresser.

Der Biologe Robert Reisz von der Universität Toronto-Mississauga betont die ökologischen Aspekte des Funds: Die Pflanzendecke dieses Zeitalters war eine gewaltige Nahrungsressource. Als die Landwirbeltiere damit begannen, sie sich zunutze zu machen, hatte dies Auswirkungen auf sie: Sie entwickelten sich zu immer größeren Formen. Damit beeinflussten sie aber auch die Nahrungskette und das Ökosystem selbst. Große Pflanzenfresser wurden ihrerseits zu einer Nahrungsressource für große Räuber.

Wiederholtes Muster

Und die Caseidae waren nicht die einzigen, die diese Entwicklung vollzogen: Unabhängig von den Caseidae machten im Permzeitalter gleich mehrere andere Tiergruppen die Entwicklung von kleinen Fleisch- zu großen Pflanzenfressern durch: Etwa die Edaphosaurier, die einer anderen Synapsidengruppe angehörten, die Captorhinidae, die zu den Reptilien zählen, und die Diadectidae, die als "reptilienähnliche Amphibien" gelten.

Später sollte sich dieses evolutionäre Muster noch öfter wiederholen, die Caseidae - ferne Verwandte von uns Säugetieren - dürften den Forschen um Reisz zufolge aber die Pioniere gewesen sein. (red, DER STANDARD, 17.4.2014)

  • Bildkomposition mit Zeitreise-Anteil: Es liegen nur 30 Millionen Jahre Entwicklungszeit zwischen diesem kleinen Eocasea und seinem riesigen Nachfahren Cotylorhynchus, der diesen Fußabdruck hinterlassen hat.
    illustration: danielle dufault

    Bildkomposition mit Zeitreise-Anteil: Es liegen nur 30 Millionen Jahre Entwicklungszeit zwischen diesem kleinen Eocasea und seinem riesigen Nachfahren Cotylorhynchus, der diesen Fußabdruck hinterlassen hat.

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