Saudi-Arabien besetzt den Syrien-Job neu

Analyse17. April 2014, 05:30
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Prinz Bandar bin Sultan gibt sein Amt als Geheimdienstchef ab - Damit kommt auch das saudische Syrien-Dossier in neue Hände

Riad/Wien - Er ist weg, er ist nicht weg, und jetzt ist er es doch: Der Eindruck, dass die Tage von Prinz Bandar bin Sultan als saudischer Geheimdienstchef gezählt sind, hatte sich bereits zur Jahreswende durchgesetzt. Bandar, der als Architekt der Syrien-Politik des Königreichs gilt, die auf einen raschen Sturz des Assad-Regimes setzte, war von der diplomatischen Szene verschwunden. Besonders fiel auf, dass bei einem Treffen mit US-Geheimdiensten an seiner Stelle Innenminister Muhammad bin Nayef - mit dem die Amerikaner besonders gut können - erschien.

Aber unmittelbar vor dem Besuch von Präsident Barack Obama in Riad im März wurde plötzlich gestreut, Bandar - der von 1982 bis 2005 saudischer Botschafter in Washington war und den sprechenden Spitznamen "Bandar Bush" hatte - werde seine Rekonvaleszenz in Marokko beenden und in sein Amt zurückkehren. Das konnte durchaus als Signal an Obama verstanden werden, dass Riad zu den Differenzen mit Washington, was das Vorgehen in Syrien betrifft, steht - und zu Bandar, der Obama unverblümt Schwäche vorgeworfen hatte. Aber am Mittwoch wurde in Riad ein königliches Dekret veröffentlicht: Prinz Bandar werde auf seinen eigenen Wunsch hinauf von seinem Amt entbunden.

Interimschef Idrisi

Einstweilen rückt sein Vize, Youssef al-Idrisi, auf - das signalisiert die nötige Kontinuität, ist jedoch bedeutungslos. Geheimdienstchef ist ein Prinzen-Posten; vor Bandar hatte ihn der jetzige zweite Kronprinz, Muqrin bin Abdulaziz, inne. König Abdullah (90) hatte vor kurzem seinen 69-jährigen Halbbruder zum Kronprinzen von Kronprinz Salman (79) ernannt, der wie der König selbst nur noch begrenzt einsatzfähig ist.

Dass Bandar ebenfalls gesundheitliche Probleme hat, die zu seinem Rückzug zumindest beigetragen haben, ist verbürgt. Beobachter sind sich dennoch sicher, dass auch ein vorsichtiger Politikwechsel Saudi-Arabiens in der Region im Gang ist, zu dem Bandars Abgang passt. Dafür gibt es einige Zeichen, angefangen mit dem königlichen Dekret Anfang Februar, in dem die Teilnahme an einem Jihad im Ausland - also auch in Syrien - für saudi-arabische Staatsbürger unter strenge Strafen gestellt wurde. Deutlich wird die Wende auch im Libanon, wo sich Riad für eine Entspannung der verfeindeten politischen Lager von Sunniten und Schiiten einsetzt - was in den vergangenen Wochen zu einer Stabilisierung sowohl der politischen Landschaft als auch zu einer Verbesserung der Sicherheitslage geführt hat. Dazu ist eine Verständigung mit dem Iran nötig, es gibt Meldungen über geheime Gespräche.

Einen starken saudischen Politiker, der Bandars konfrontative Linie vertritt, gibt es aber noch: Prinz Saud al-Faisal, der längstdienende Außenminister der Welt (seit 1975). Auch gegen ihn laufen Intrigen; manche halten ihn wegen seiner schweren Parkinson-Erkrankung für rücktrittsreif.

Ganz deutlich ist, dass König Abdullah sein Haus bestellen will, solange er es noch kann. Dass es interne Debatten gibt, wurde indirekt zugegeben, als anlässlich der Ernennung Muqrins zum "Kronkronprinzen" bekanntgegeben wurde, dass die Mitglieder des Königshauses Muqrin im von Abdullah geschaffenen Thronrat mit drei Vierteln der Stimmen bestätigt hätten: Es gab demnach keine Einstimmigkeit. Abdullah untermauerte seine Entscheidung für Muqrin - dessen Mutter von einigen als nicht standesgemäß angesehen wird - mit der Verfügung, dass sie von niemandem, unter keinen Umständen, umgeworfen werden dürfe.

Es gibt sogar erste Spekulationen, dass Abdullah bei Lebzeiten die Geschäfte übergeben könnte - aber das ist schwer vorstellbar, solange auf ihn Prinz Salman folgt. Als stärkste Vertreter der nächsten Generation - Muqrin wäre der letzte Sohn von Staatsgründer Abdulaziz, danach kommen Abdulaziz-Enkel - gelten der bereits erwähnte Innenminister Mohammed bin Nayef und ein Sohn Abdullahs, Prinz Muteb, der Chef der Nationalgarden. Diese Prinzen werden auch, so heißt es, das Syrien-Dossier übernehmen. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 17.4.2014)

  • Prinz Bandar bin Sultan geht als saudischer Geheimdienstchef. Er war für die Syrien-Politik verantwortlich.
    foto: hassan ammar/ap

    Prinz Bandar bin Sultan geht als saudischer Geheimdienstchef. Er war für die Syrien-Politik verantwortlich.

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