Krieg in Syrien: Nicht zu retten

Kommentar16. April 2014, 17:22
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Die Syrien-Politik des Westens und der meisten arabischen Staaten ist gescheitert

Ohne dass das Schlagzeilen machen würde, setzt die syrische Regimearmee ihr militärisches Konsolidierungswerk an der syrischen Westfront fort: Nach der bahnbrechenden Einnahme von Yabrud Mitte März wurde zu Beginn der Woche die christliche Stadt Maalula zurückerobert, die sich seit September in der Hand islamistischer Rebellen befunden hatte. Die Erleichterung des melkitischen Patriarchen Gregor III. Laham über die Rückkehr des Regimes nach Maalula drückt den tragischen Verlauf, den der Aufstand in Syrien genommen hat, gut aus. Neben der Militäroffensive läuft längst auch eine "Versöhnungsinitiative" des Regimes: Nicht nur Zivilisten, sondern auch Kämpfer sollen teilweise überlaufen.

Das ganze Grenzgebiet zum Libanon befindet sich nunmehr unter Kontrolle des Regimes, genauso wie ein Korridor von Damaskus in den Süden. Die neue Offensive gegen Homs ist angelaufen, auch in Aleppo brechen die Rebellen teilweise weg. Anders ist das an der Grenze zur Türkei. Aber auch dort hat die Rebellion spätestens seit der Einnahme des Grenzdorfes Kassab ein internationales Imageproblem: Dass die Islamisten die christlichen Kirchen in Kassab plündern, ist eine Sache; dass der von türkischem Territorium ausgehende Angriff auf ein armenisches Dorf in eine Zeit fällt, in der sich der Beginn des türkischen Armenier-Genozids zum 99. Mal jährt, eine andere.

Wie man es dreht und wendet: Die Syrien-Politik des Westens und der meisten arabischen Staaten, die auf einen raschen Sturz Assads setzten, ist gescheitert. Die Vorstellung, dass in absehbarer Zeit die "moderaten" Kräfte unter den Rebellen so gestärkt werden können, dass sie sowohl Assad als auch die Islamisten besiegen, scheint naiv. Damit ist nicht gesagt, dass dieses Regime die völlige Kontrolle über das gesamte syrische Territorium je wieder zurückbekommt. Aber Bashar al-Assad ist drei Jahre nach Beginn des Aufstands nicht am Ende, sondern bereitet sich auf – wenngleich lächerliche – Präsidentenwahlen vor.

Der Ruf der Rebellion ist bereits so beschädigt, dass nicht einmal mehr Meldungen vom angeblichen Einsatz chemischer Waffen zum gewünschten Aufschrei gegen das Regime führen. Dazu hat natürlich auch der US-Journalist Seymour Hersh mit seiner Story beigetragen, der zufolge bereits der Angriff im August 2013 unter "falscher Flagge" von Rebellen – mit Billigung der Türkei – verübt worden sei. So oder so, dieser Aufstand ist offenbar nicht mehr zu retten. (DER STANDARD, 17.4.2014)

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