An die Wand geschnalzte Raumvorstellungen

16. April 2014, 18:09
posten

Neue Arbeiten der in Wien lebenden Künstlerin Sofie Thorsen in der Wiener Galerie Krobath

Wien - Verschwimmend. Ausfrandend. Zerfasernd. Die schnurgeraden Linien auf den Wänden der Galerie Krobath irritieren. Sie erinnern an Wollfäden - allerdings nur an deren Silhouetten, schließlich fehlt den Strichen deren Stofflichkeit, deren Plastizität. Gemalt oder gezogen sind die akkuraten Gespinste aber dennoch nicht. Sie sind - wie man schließlich erfährt - geschlagen. Der Architekt wird wissend nicken; für viele andere entpuppt sich das Arbeiten mit Schlagschnüren, einem Hilfsmittel zum Ziehen von Linien über längere Distanzen, jedoch als wunderlich schönes Verfahren.

Für Sofie Thorsen (geb. 1971 in Århus) eine logische, konsequente Technik, sind doch ihre Arbeiten oft von Formideen der Architektur und des Designs (der Moderne) beeinflusst. Während in früheren Arbeiten - zu einem aufgelassenen Freilichtkino in Bratislava, zur Ästhetik von "Spielplastiken" der 1950er-Jahre - jedoch kulturelle, ökonomische und politische Parameter der Gestaltung mehr zum Tragen kamen, erscheint die neueste Werkgruppe viel stärker von rein formalen Überlegungen gelenkt.

Thorsen nutzt die Schlagschnurtechnik, um mit der Axonometrie zu experimentieren. Das Verfahren der darstellenden Geometrie ermöglicht es, Raumebenen zu verschränken und zu überlagern: Im Vergleich mit der Zentralperspektive ist diese Raumorganisation antihierarchisch, ein Verständnis wie es in Asien, besonders in Japan, Tradition hat und in Europa mit der Moderne Einzug hielt.

Als gedankliches Initial zeigt Thorsen ein privates Foto: eine Ansicht von Tokio, die die Stadt von einem fernen Hügel aus betrachtet zeigt: Die Zweige der Bäume im Vordergrund, im Mittelgrund bewaldete Hügel und in dunstiger Ferne die Metropole. Auf diese Verschränkung von Raum spielt Thorsen an, wenn sie in ihren schwarz pigmentierten Wandzeichnungen mit den multiplizierten Raumkoordinaten der Galerie jongliert.

Davor lehnt sie Bildpaneele, die in ihrer Körperlichkeit an japanische Wandschirme erinnern: auch diese falten Raumebenen. Solchen traditionellen Paravents hat Thorsen auch die Farben entnommen, mit denen sie auf den Bildträgern Linien "webt". Eine etwas strapazierte, aber ästhetisch betörende Geometriestunde. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 17.4.2014)

Bis 26. 4.
Galerie Krobath
Eschenbachgasse 9, 1010 Wien

  • Ein Hilfsmittel der Architekten als Zeichentechnik: "Test" hat Sofie Thorsen mit Schlagschnüren und rotem und schwarzem Pigment auf Holz realisiert.
    foto: rudolf strobl

    Ein Hilfsmittel der Architekten als Zeichentechnik: "Test" hat Sofie Thorsen mit Schlagschnüren und rotem und schwarzem Pigment auf Holz realisiert.

  • In-situ-Wandarbeit von Thorsen in der Galerie Krobath Wien 2014: "Screens within Screens" (mit Schlagschnur aufgebrachtes Pigment auf Wand und die Bildobjekte Screen 2, 3, 4)
    foto: rudolf strobl

    In-situ-Wandarbeit von Thorsen in der Galerie Krobath Wien 2014: "Screens within Screens" (mit Schlagschnur aufgebrachtes Pigment auf Wand und die Bildobjekte Screen 2, 3, 4)

Share if you care.