Andreas Prochaska: "Auf keinen Fall einen Kostümschinken"

Interview16. April 2014, 17:58
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In "Das Attentat Sarajevo 1914" verfilmt Andreas Prochaska Geschichte im Stil eines Thrillers: gegen den Zauber der Montur

STANDARD: Probieren Sie sich nach Horror, Komödie, Western jetzt im Historienfilm aus?

Prochaska: Nein, ausschlaggebend waren das Drehbuch und der Ansatz, den Martin Ambrosch verfolgte. Wir wollten auf keinen Fall einen Kostümschinken. Die k. u. k. Zeit ist da natürlich sehr gefährlich.

STANDARD: Dass die Geschichte des Films der Vorlage Milo Dors folgen sollte, war von Anfang an klar?

Prochaska: Ich wurde 2012 gefragt, ob ich Interesse habe, diesen Stoff zu verfilmen. Ich hatte eigentlich überhaupt keine Zeit, fand aber die Geschichte so spannend, dass ich versuchte, mich freizuschaufeln. Das Drehbuch ist aber keine Romanverfilmung. Das Einzige, was diese zwei Ansätze gemeinsam haben, ist die Figur des Untersuchungsrichters Leo Pfeffer. Für mich war spannend, die Geschichte aus der Perspektive des Untersuchungsrichters zu erzählen, die damit die Struktur eines Thrillers bekam. Das ist vielleicht die Verbindung zum Genre.

STANDARD: Und es gibt das romantische Potenzial. Ein Muss im Hauptabendprogramm?

Prochaska: Die Forderung stand schon da, dass Emotion dabei sein soll. Dieser Anflug einer Liebes­geschichte ist aber wichtig, weil er zeigt, dass die Geschichte von ei­ner Zeit erzählt. Melika und Leo spüren, dass etwas zu Ende geht. Aus dieser emotionalen Spannung entwickelt sich die Annäherung zwischen den beiden.

STANDARD: Das wird ausdrücklich gefordert: Da muss Emotion rein"?

Prochaska: Nachdem das keine reine ORF-Produktion ist, sondern auch ZDF und Jan Mojtos Beta-Film dabei sind, gibt's natürlich immer diese Wünsche. Aber wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass das nur ein Vehikel ist, das es verkaufbar macht, hätte ich mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt.

STANDARD: Wie sehr spielten filmische Vorbilder eine Rolle, etwa Axel Cortis "Radetzkymarsch" nach Joseph Roth?

Prochaska: Ich muss gestehen, ich habe Radetzkymarsch nie gesehen. Wir haben Kostüm und Ausstattung als notwendiges Faktum akzeptiert und wollten eine Bildsprache finden, die zeitgemäß ist. Der Versuch war, nicht dem Zauber der Montur zu erliegen, sonst ist man sofort bei Sissi.

STANDARD: Muss man in Sarajevo gewesen sein, um einen Film über die Ereignisse drehen zu können?

Prochaska: Ich war nie dort, es ging sich zeitlich nicht aus, weil ich mit der Postproduktion von "Das finstere Tal" so beschäftigt war. Es war für mich wichtig, eine Idee von Sarajevo als Abbild zu liefern.

STANDARD: Mit "Das Wunder von Kärnten" haben Sie einen Emmy gewonnen. Hatte der Preis Folgen?

Prochaska: Ich bin im Moment in der glücklichen Lage, dass ich mir die Projekte aussuchen kann. Der Emmy war bisher für mich eine schöne Anerkennung. Aber es ist nicht so, dass ich plötzlich aus Amerika ein Angebot nach dem anderen erhalte. Vielleicht fragen Sie mich in einem Jahr.

STANDARD: Proteste der Filmschaffenden: Wie ist Ihr Standpunkt?

Prochaska: Ich habe die Petition auch unterschrieben. Faktum ist, dass die Situation beängstigend ist. Es wird von Jahr zu Jahr schlechter. Wenn man nicht anfängt, entsprechende Schritte zu setzen, wird es österreichisches Filmschaffen in der Form in ein paar Jahren nicht geben. Man kann von Serien wie Vier Frauen und ein Todesfall halten, was man will, aber das ist ein originär österreichisches Produkt. Je weniger Geld es gibt, desto weniger Filme werden produziert und desto ­weniger unverwechselbares Programm. (Doris Priesching, DER STANDARD, 17.4.2014)

Andreas Prochaska (49) war zuletzt im Kino mit dem Alpenwestern "Das ­finstere Tal". Sein Regiedebüt gab er mit "Die drei Posträuber" (1998), seither regelmäßig TV- und Kinofilme, zuletzt wurde er mit Auslands-Emmy und Bayerischem Filmpreis ausgezeichnet. "Das Attentat Sarajevo 1914" läuft am 23. April um 20.15 Uhr in ORF 2.

  • Der Richter und sein ­Attentäter: ­Florian Teichtmeister (links) und ­Mateusz ­Dopieralski.
    foto: orf/dor film/petro domenigg

    Der Richter und sein ­Attentäter: ­Florian Teichtmeister (links) und ­Mateusz ­Dopieralski.

  • Erwin Steinhauer als Oskar Potiorek.
    foto: orf/dor film/petro domenigg

    Erwin Steinhauer als Oskar Potiorek.

  • "Das Attentat - Sarajevo 1914": 23. April, 20.15 Uhr, ORF 2.
    foto: orf/dor film/petro domenigg

    "Das Attentat - Sarajevo 1914": 23. April, 20.15 Uhr, ORF 2.

  • Andreas Prochaska
    apa-foto: herbert pfarrhofer

    Andreas Prochaska

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