Lymphknoten-Sonografie erleichtert Krebsdiagnose

16. April 2014, 15:17
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"Die Untersuchung der Lymphknoten ist von großer Bedeutung für die Diagnostik und Therapieplanung bei Krebs", sagt der deutsche Experte Christoph Dietrich

Wenn Ärzte nach einer Krebsdiagnose die Ausdehnung des Tumors beurteilen wollen, stehen die Lymphknoten im Zentrum ihres Interesses: Ob sie befallen sind oder nicht, entscheidet mit darüber, ob die Patienten nach der Operation eine Strahlen- oder Chemotherapie erhalten. Um die Lymphknoten zu beurteilen, nutzen Ärzte vermehrt die Ultraschalltechnik. Der Ultraschall habe sich für die Diagnosestellung und auch zum "Staging", also zur Stadieneinteilung, von Krebserkrankungen etabliert, berichten Experten.

Große Bedeutung

Lymphknoten sind Organe des Immunsystems und der Ursprungsort von Abwehrzellen, die Krankheitserreger bekämpfen. Gleichzeitig filtern sie auch Lymphflüssigkeit, über die sich viele Krebserkrankungen ausbreiten. "Die Untersuchung der Lymphknoten ist deshalb von großer Bedeutung für die Diagnostik und Therapieplanung bei Krebs", sagt Christoph Dietrich, Präsident der Europäischen Ultraschallgesellschaft (EFSUMB).

Gegenüber anderen bildgebenden Verfahren biete die Lymphknoten-Sonografie den großen Vorteil, dass sie die Patienten keiner Strahlenbelastung aussetzt und die Untersuchung auch am Krankenbett beliebig oft wiederholt werden kann. Zudem sei der Ultraschall kostengünstig. Ein erstes Indiz dafür, ob der Krebs die Lymphknoten befallen hat, ist ihre Größe. "Allerdings sind angeschwollene Lymphknoten oft durch Infektionen verursacht und umgekehrt können auch kleine Lymphknoten Krebszellen in sich tragen", erklärt Dietrich. Er empfiehlt daher, die Struktur der Lymphknoten genau zu betrachten. 

Anderer Aufbau

Bei einer Entzündung bleibt die normale Struktur meistens erhalten: Das Gewebe der inneren Zone, die vor allem aus Bindegewebe sowie Lymph- und Blutgefäßen besteht, reflektiert die Ultraschallwellen stärker. Sie erscheinen auf dem Bildschirm des Ultraschallgeräts heller. Die "echoarme" äußere Zone, in der B- und T-Lymphozyten ihre Arbeit verrichten, erscheint dagegen dunkler.

Bei einem Tumorbefall verändert sich der Aufbau der Lymphknoten oft: Die Lymphknoten zeigen eine unregelmäßige Kontur, innere und äußere Zonen können im Ultraschall kaum unterschieden werden. Mit Hilfe der Doppler-Funktion des Ultraschallgeräts untersucht der Experte zudem die Gefäßarchitektur und mittels Kontrastmittelsonographie auch den Blutfluss.

"Da Tumore die Bildung von Blutgefäßen fördern, sind die Signale bei einem Krebsbefall über den gesamten Lymphknoten gestreut", sagt Dietrich. Wenn sich der Lymphknoten an der Oberfläche befindet, ist auch eine sogenannte "Elastographie" möglich. Lokale Verhärtungen werden im Ultraschall sichtbar und weisen auf einen frühen Tumorbefall hin.

Gewebeprobe essenziell 

Wirken Lymphknoten verdächtig, veranlassen Ärzte in der Regel eine Biopsie oder Lymphknotenentnahme: Letztlich lässt sich nur durch eine Gewebeentnahme sicher klären, ob sich tatsächlich Metastasen gebildet haben. Entscheidend ist laut Dietrich jedoch, dass die Biopsie unter Ultraschallkontrolle erfolgt: "Wenn wir die Biopsienadel gezielt in die verdächtigen Regionen des Lymphknotens vorschieben, erhöht dies die Diagnosesicherheit beträchtlich."

Findet der Pathologe Krebszellen in der Gewebeprobe, bedeutet dies, dass Krebszellen auch in Blutgefäße eingetreten sein könnten und sich womöglich auch an anderen Stellen im Körper angesiedelt haben. Die Mediziner raten dann meist zu einer "Systemtherapie", mit der sich kleine Herde von Krebszellen im ganzen Körper bekämpfen lassen. In der Regel ist dies eine Chemotherapie, je nach Krebsart kommt aber auch eine Hormon- oder Immuntherapie in Frage. Sind die Lymphknoten hingegen frei, reicht häufig eine Operation oder eine lokale Strahlentherapie, um die Krebserkrankung weiter zu behandeln. (red, derStandard.at, 16.4.2014)

Publikation:

Conventional ultrasound for lymph node evaluation, update 2013. X. W. Cui, M. Hocke, C. Jenssen, A. Ignee, S. Klein, D. Schreiber-Dietrich, C. F. Dietrich. Z Gastroenterol 2014; 52(2): 212-221

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